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Sonntag, 27. Juni 2010

~ Tarot-Initiation ~

 

Autor: Wanja Benuaté
 

Häufig werden den 22 Trumpfkarten des Tarot 22 spirituelle Wege des Menschen zugrunde gelegt. Die 22 spirituellen Wege finden sich auch in der Mystik der Kabbala wieder. Der kabbalistische Lebensbaum enthält 10 Sephiroth, die durch 22 Wege oder Einzelschicksale miteinander verbunden sind. Jeder Tarot-Trumpf symbolisiert auf bildhafte Weise einen dieser Initiationswege und die darin erhaltene Kraft.

Die 22 Trümpfe des Tarot (die Arkana) beschreiben also verschiedene Initiationsstufen, ich nenne sie auch „Sternenwege“. Damit verbunden sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die verschiedene Verantwortungen und Aufgaben enthalten. Oder sie sind Hinweise auf Situationen, Weggabelungen, an denen man sich momentan befindet. Sie enthalten ganz bestimmte, archetypische Lektionen, die es zu meistern gilt.

Aus den Sternenwegen der Arkana lassen sich Rückschlüsse über Ereignisse der (näheren) Vergangenheit sowie der (näheren) Zukunft ziehen, wobei es sich hierbei immer nur um Richtungen handelt, die sich im laufenden Prozess ständig verändern (sofern jemand im Fluss lebt). Wird eine Tendenz frühzeitig ausgelotet, kann man diese bereits in die Gegenwart installieren, sodass sich die künftige Aufgabe einfacher, wenn nicht als Offenbarung gestaltet.

Die Initiationsstufen der Archetypen liefern einen Schlüssel für Alltag, d. h. es geht um bestimmte Eigenschaften der Persönlichkeit, die man ständig in unterschiedlichen Formen durchläuft.

Magisch kann das so aussehen, dass du dir mit Mullbinden und Gips die Maske eines immer wiederkehrenden oder dich ansprechenden Archetypen (repräsentiert durch eine bestimmte Gottheit/Kraft/Engel/Genius) anfertigst. Alternativ kannst du dir auch eine Maske kaufen. Lasse dir dafür Zeit, behalte den Wunsch nach einer „passenden“ Maske im Hinterkopf und halte immer mal wieder die Augen offen, wenn du über Kunstmärkte, Flohmärkte, in Requiste-Läden, Afroshops o. ä. unterwegs bist. Zieht dich eine Maske in ihren Bann, kaufe sie und probiere, damit zu arbeiten.

In einem Ritual kannst du die Maske mit der bestimmten Kraft der Wesenheit oder Symbolik aufladen. Wenn Du die Maske dann aufsetzt, stelle dir vor, dass die Kraft der Wesenheit auf Dich übergeht, Du WIRST zu diesem Wesen bzw. nimmst bestimmte Charaktereigenschaften der Entität/Gottheit auf.

Nehmen wir beispielsweise die Göttin Isis mit ihren ganz bestimmten Qualitäten. Im Tarotdeck identifiziere ich sie mit der Hohepriesterin und damit als dem Planeten Mond zugehörig. Es gibt aber auch Systeme, die Isis mit der Venus in Beziehung stellen. In dem Fall würde sie im Tarot mit der Karte „die Herrscherin“ in Beziehung gestellt. Im Ergebnis spielt es keine Rolle, entscheidend ist, welche Qualitäten du mit ihr assoziierst.

In der Vorbereitungsphase auf die Auswahl einer bestimmten Gottheit muss als Vorausbedingung immer eine persönliche Beziehung hergestellt werden. Hierbei empfiehlt sich der Schulung und Initiation wegen, unbedingt auch eigene Analogien und Assoziationen zu entwickeln. Je stärker man bestimmte Eigenschaften einer bestimmten Gottheit zuordnet, desto einfacher ist es, diese über die Invokation in sich selbst zu verstärken.

Durch Evokation und Invokation werden die kosmischen Kräfte auf unsere Sphäre herunter gezogen. Der Unterschied ist nur der, dass bei der Evokation (evocare – hervor oder herbei rufen) die Wesenheit in einen Kreis, Spiegel, Gefäß o. ä. gerufen wird, bei der Invokation (in vocare – in sich hineinrufen) ist der Mensch selber das Gefäß. In anderen Kulturen nennt man diese Form auch „Besessenheit“, was ich für inkorrekt oder nur selten für gegeben halte, denn Besessenheit bedeutet den totalen Kontrollverlust, was in der Form nicht richtig ist. Das Bewusstsein des Menschen tritt nur für einen Moment ein wenig zur Seite, damit sich die Wesenheit durch einen selbst manifestieren kann.

Nachdem du eine Maske rituell hergestellt oder gekauft hast, trägst du diese immer wann du willst und wann es passt, z. B. in magischen Ritualen, bei Evokationen, während einer Traumreise, bei der Meditation etc.

Wichtig ist dabei, dass der Trigger für das lenkende Unterbewusstsein erhalten bleibt, d. h. das Gefühl, Isis mit ihren Attributen in dir aufzunehmen findet nicht dauerhaft, sondern ganz gezielt zu bestimmten Zeiten und Zwecken statt.

Schon nach relativ kurzer Zeit kannst du dich schon „anders“ fühlen, d .h. immer dann, wenn du die Maske trägst, wirst du merken, das ein Teil von dir anders (d. h. erweiterter bzw. intensivierter) als vorher denkt, fühlt, spricht, handelt. Sollte das Gegenteil eintreten (was mir in 12 Jahren magischer Praxis noch nicht vorgekommen ist), dann ist dieser Weg vielleicht nicht der Richtige für dich. Um Verletzungen in Seele, Psyche und Körper zu vemeiden, solltest du erst einmal Abstand davon nehmen.

Die positive Erweiterung deiner Wahrnehmung und Gefühls- sowie von Situationen in der Alltagswelt bedeutet, dass die Energie der Verkörperung „Isis“ auf dich übergegangen und erfolgreich angenommen wurde. Andererseits wäre es sehr schade, wenn man sich durch Voreingenommenheiten oder durch die Warnung „Unwissender“ einen Erfahrungsschatz wie diesen verbietet. (Mir ist bisher auch kein einziger Fall bekannt, das jemand durch ein Fastnacht- oder Halloween-Kostüm nicht mehr aus dieser „Rolle“ herausgefunden hat und in die Psychiatrie eingeliefert wurde, auch wenn ich es für denkbar, aber nicht sehr wahrscheinlich halte).

Diesen Vorgang der hier bei der Übertragung bestimmter Qualitäten aus dem Makrokosmos in den Kosmos des Menschen hinein zugrunde liegt, zähle ich zu den Invokationen. Es gibt verschiedene Formen der Qualitätsübertragung und auch verschiedene Möglichkeiten der Invokation. Die Maske ist dabei keine Pflicht, sondern ein bewährtes Hilfsmittel. Nach einiger Übung kann man die Maske auch weglassen. Manche benutzen sie aber auch als Fortgeschrittene immer wieder gerne, weil sie relativ leicht Hand zu haben ist. Nach Absetzen der Maske ist die Invokation automatisch beendet und der Magier/Schamane/die Hexe/der Energiearbeiter kehrt mit den erworbenen oder ‚freigeschalteten’ Anteilen in seinen Alltag zurück.


Blitz und Donner!

Wanja

 

Copyright © Wanja Benuaté / Anthera-Verlag
 




Sonntag, 18. April 2010

~ Zauber wirkende Musik ~

 

Autor: Anthera

Um etwas Ewiges zu schaffen, muss der Mensch bekanntermaßen über sich hinaus wachsen. Nicht klein, sondern groß werden muss er dafür. Und er darf das Über-sich-hinauswachsen nicht fürchten. Ein episches Werk berührt den Großen Geist des Menschen auf sonderbare Art.

Heute wird zu wenig berücksichtigt und nicht wahrgenommen, was solche, oft zeitlosen Werke im Menschen bewirken, der sich eben nicht entzieht, sondern sich der Stimmung hingibt, annimmt, was in ihm erklingt, in ihm entfacht, d. h. es öffnen sich dabei Fenster in der Erinnerung an das Erhabene in ihm, an das manchmal in weite Ferne Entrückte. Durch ständige Banalitäten von ihm abgetrennt, entfernt, durch niedere Einflüsse, sich in sein Bewusstsein festzeckend, keinen Raum mehr für das Erhabene übrig lassend, ihn komplett einnehmend. Was bleibt sind die uns bekannten blassen Gesichter, von der Gewohnheit verzerrt, glanzlos und verkümmert das einstige Erbe – das königliche, heilige Versprechen seiner Schöpfer.

Zum Bittsteller hat er sich erniedrigen lassen, zum Spielball der Verborgenen, derjenigen, die im Dunklen agieren. Die Todesmaschine der Seele, getrennt von seiner Heimstatt, seiner Muttererde, der Seele seines Clans, der Religionen, dem geistigen, kulturellen und dem Ewigen seiner selbst – dem unsterblichen Gemüt, aus dem er verlernte zu schöpfen und so abfiel von früherer Schönheit und Glanz zu einer Schreckenskreatur, kraftlos mit gebrochenen Augen, von dem sich alles abwendet, was lebt, liebt, sich leidenschaftlich vereint. Stattdessen gibt er alles, was er hat an das Niedere, das Oberflächliche, damit ihn nichts mehr berühren kann – oder berühren muss… Darüber verkümmerte er und freut sich noch über die Gnade, es nicht bemerken zu brauchen. Gesegnet ist er vielleicht mit der Unbekümmertheit seiner Ahnungslosigkeit und gleichzeitig gezeichnet.

Erhabene, königliche, ewige, epische, den Archetypus weckenden und die Seele in Brand steckende Musik wurde in Zeiten des dunklen Regiments wegen seiner Macht verboten, mit dem Tode bestraft, dem Teufel zugesprochen, vernichtet, der „Empfänger“ des Genius als Unhold verfolgt, verurteilt, da er es wagte, den Menschen mit anders gearteten Mächten zu verbinden. Manche Musik war schon immer Macht, manchmal Besessenheit, wie in etlichen bekannten Fällen, als sterbenskranke, körperlich-siechende Komponisten angetrieben durch eine unsichtbare Übermacht ihr Lebenswerk vollendeten und nach Abschluss tot zusammenbrachen – um unsterblich zu werden. Brennende Leidenschaft und die Ahnung der Größe dessen, was nur durch sie geschaffen werden konnte, veranlasste den Menschen zu Höherem, zu unvergänglichen, ewigen Werken.

Wird einem sterblichen Menschen etwas derart Großes aus der geistigen Welt (die Welt aus der Künstler, Dichter, Denker, Komponisten schöpfen) gegeben, bedeutete dies, dass dieser Mensch nicht nur Macht über die geistige Intelligenzia, sondern mit diesem Werk auch Macht über Menschen hatte. Er wurde zu einem, der scheinbar die okkulten Geheimnisse kannte und in den Dialog mit einer übermächtigen Natur getreten war, denn nur im entrückten Zustand, in der Zurückgezogenheit gelingt ihm eine große Schöpfung. Wie jedes Epos aus einem entrückten Zustand und aus der Zurückgezogenheit aus dem Alltäglichen und durch die Hinwendung zum Nicht-Alltäglichen entstanden ist.

„Der Himmel erhöht ihn und öffnet ihm die Pforte zu Offenbarungen, weil er den Himmel dazu zwang, denn gebeten hatten vor ihm schon Tausende um ähnliches, was ihnen versagt blieb. Auch dem Himmel größere Diener als dieser. Was macht ihn also zu einem, dem der Himmel gehorcht, wenn nicht – Zauberei?“

Ich fand diese Gedankengänge schon immer äußerst interessant und habe mich deshalb intensiver mit der Wirkung von musikalisch unterschiedlichen Werken auf magische Vorgänge befasst. Ziel ist hier aber nicht, einzelne Werke zu benennen, ich kann mir aber vorstellen, das an anderer Stelle irgendwann noch einmal separat aufzugreifen (welche Musikstücke bewirken was usw.).

In o. g. Ausnahmefällen wurde also offenbar davon ausgegangen, dass nur seine persönliche Macht es dem Schöpfer eines Meisterwerks erlaubt, dass Geister ihm schenken, was andere vergeblich begehren. Denn den Zugang zu den höchsten Mächten – so war es schon immer – muss man sich erringen, weil das „Geheimnis“ sich ewig allein durch sich selbst schützt. Einem Sterblichen kann es – bei Gott! – nicht gelingen, das Himmelreich und seine Geister zu schauen, wenn er nicht mit dem Teufel selbst einen Bund geschlossen hat – so eine damals weitläufige Meinung.

Das Hinzuziehen von Musik (sakral, episch, meditativ etc., wichtig ist hier nur die Kraft und Stärke, die den Geist des Anwenders über die irdischen Begrenzungen hebt) kann für praktisch arbeitende Magier von größter Bedeutung sein. Musik durchdringt u. U. Welten, je größer und bekannter das Meisterwerk, desto größer die Reichweite. Große universelle Werke werden – so berichten es schon Universalgelehrte der letzten Jahrhundert – bis in die höchsten Himmel vernommen und zwar über die Art wie diese unsere uns umgebenden Körper verändert. Je nach Musik und die dadurch herbei gerufenen Empfindungen, die uns nicht zufällig, sondern beabsichtigt *über-kommen*, können wir durch Auswahl des passenden Stücks oder Werks auf erstaunliche Art andere Möglichkeiten in unser Leben ziehen (vergleiche hierzu auch das hier vor einiger Zeit schon einmal näher betrachtete Kapitel über Zaubergesänge). Das gleiche Prinzip kennen wir vom sogenannten Mond herunter singen, Regen singen, Geister durch Gesänge ermächtigen, die Macht der Worte, „Gutes“ oder „Böses“ beschwören. Wir müssen dieses Prinzip nur verstehen lernen.

Durch seine Rituale bringt sich der Magier/die Hexe/der Schamane in eine Stimmung, die sein Unterbewusstsein – das eigentliche Machtzentrum des Menschen – beeinflusst, es auf die neue Realität einstimmt und diese gleichzeitig in seinem Lebensplan fixiert, d. h. er schafft sich selbst eine neue Tatsache, von der er will, dass sie sich in seinem Leben manifestiert.

Die jeweilige Stimmung beinhaltet die Grund-Essenz der neuen/anderen Realität (z. B. Wut, Trauer, Euphorie, Liebe, Hass, Freude, Schöpfung, Vernichtung). Richtlinie ist hier – wie im Grunde überall in der okkulten Lehre – die Willenskraft, hervorgerufen durch bestimmte Emotionen, die man zum Zweck der magischen Arbeit auch „künstlich“ herbeiführen kann. Es ist entgegen der Überzeugung vieler esoterischer Strömungen, die sich oft auf etwas berufen, das sie selbst im Kern nie erforscht oder erfahren haben, kein Widerspruch, dass ein hohes Maß an Wut etwas Großes, Neues oder gar Gigantisches im Leben bewirken kann, einen längst fälligen Wandel, die Absprengung von schädlichen Einflüssen, eine ehem. Unwahrscheinlichkeit usw.

Es ist immer noch besser, aus der brennenden Kraft der Wut (einer extrem starken Kraft) heraus Neues zu erschaffen als ein halbherziges Gebet in den Äther zu kippen, weil es gerade „ganz nett“ wäre, wenn dieser oder jener Umstand eintreffen würde, es aber auch keine Rolle spielt, wenn nichts passiert, weil man eh nicht damit rechnet…

Wenn die Stimmung nicht „brennt“, für den Anwender nicht unhaltbar, kaum zu ertragen wird, weil sie aus ihm herausbrechen will (ich hörte „manchen“ dazu von der im Menschen wohnenden, aber in der Regel unterdrückten, weil manchmal zerstörerischen „Drachenenergie“ sprechen – dem einen oder anderen wird dieser Hinweis für eigene Forschungen in diese Richtung evtl. nützlich sein), dann bewirkt sie auch nichts.

Wer keinen Drachen oder Vulkan in sich und aus sich heraus gebären lassen kann, kann nichts deutliches, reales, sichtbares, brennendes, verwirklichtes und auch „undenkbares“ hervorbringen, da seine Flamme nur schwach brennt und beim kleinsten Windhauch erlischt.

Was bleibt ist seine Sehnsucht, da er den Hauch der Ewigkeit bereits geatmet, aber nicht in sein Leben „herunterbringen“ konnte. Eine kleine Narbe, eine schwache Erinnerung im Raum, die nie ganz verhallt, weil sie einmal Möglichkeit, aber niemals wahrscheinlich war, da für das „Leben“ zu schwach.

Dabei hast Du nur zu wenig gebrannt, als dass Dein Feuer andere Dimensionen hätte erreichen können.

Das gilt übrigens auch für die anderen Elemente unserer Welt: Erde, Wasser und Luft. Die größtmögliche Kraft der Erde äußert sich bekanntlich in der Gewalt eines gigantischen Erdrutsches, einem gewaltigen Erdbeben, also dem Versinken Deines alten Paradigmas in der aufbrechenden Erde. Beim Thema Luft wäre es z. B. die Kraft eines Wirbelsturms. Diese befähigt ihn zum Wirken von Taten, die über das „magische Mittelmaß“ herausragen können.

Es ist der Umgang mit dem entfesselten Chaos, das Betrachtern und Nicht-Okkultisten (aber auch durchaus Magie-Kundigen) gewöhnlich Angst macht. Dabei erfordert diese Arbeit in der Regel „nur“ ein hohes Maß an Disziplin und Konzentrationsvermögen, das nicht so unmöglich zu erreichen ist, wie es manche vermuten.

Der Mensch vereint – zumeist unwissentlich – alle diese elementaren Kräfte in sich, fühlt sich gemäß seiner Persönlichkeit aber häufig zu einer oder zwei Kräften mehr hingezogen als zu den anderen. Diese Hinwendung ist mit seinem Schicksal verknüpft (was sich auch in seinem Geburtshoroskop äußert) und hier liegt der Schlüssel zur Lenkung seines Schicksals. Er ermächtigt ihn, gleichzeitig fürchtet der um seine Macht Wissende, wenn er noch nicht lange mit diesen Kräften arbeitet, die Folgen seines eigenen Handelns. Daher wird es wichtig, dass er lernt, seine Möglichkeiten genau kennenzulernen, seine Kräfte richtig einzuschätzen und auf die Suche nach Antworten auf die Fragen „Ist dieses Ziel die Entfesselung des Feuers wert?“ (Er muss nämlich auch immer mit seinen Kräften haushalten und wird nichts Überflüssiges angehen, weil ihn die hohe Konzentration und die Vitalkräfte, die er aufbringen muss, für eine Zeit lang selbst körperlich und geistig schwächen kann).

Welches Ziel benötigt welche Stimmung, damit die das Chaos gebärende Kraft einer Art kosmischen Urschreis gleicht, der alle Schichten des Seins bis zum Urgrund durchdringt? Der nicht „überhört“ werden kann, der auch den formgebenden Geistern nicht entgeht, weil er ohne Zweifel, absolut und willensstark ist.

Nach dieser Stimmung wird der Magier/die Hexe/der Schamane seine Musik auswählen, sich zurückziehen und sich diesem Werk hingeben, z. B. in einer Meditation oder einem mentalen Ritual, bei dem das Lied, die CD oder das musikalische Werk immer wieder abgespielt wird bis sich nach einiger Zeit der Übung vor dem inneren Auge die zugehörigen Bilder (=Was will ich bewirken?) verselbständigen,

Es ist wichtig, dass man diese Form der Visualisierung übt, wenn man Erfolge haben will.

Nach einiger Zeit spielt sich, wenn das Übungsziel erreicht ist, vor dem inneren Auge ein zusammenhängender „Film“ mit dem Inhalt des neuen Paradigmas ab, Du wirst in diesen Sitzungen dann vom Lenker zum Beobachter, Dein Unbewusstsein weiß nämlich, was Du als Ziel gesetzt hast und setzt nach einiger Zeit die Bilder nach der Musik zusammen, die einzelnen Elemente/Bilder/Szenen bleiben interessanterweise steuerbar und können bei anderen Gelegenheiten (luzides Träumen, automatisches Schreiben etc.) verwendet werden.

Über sein Unterbewusstsein aktiviert der Magier sein eigenes Feld und zwingt dadurch sowie durch sein der neuen Situation angepasstes Verhalten bestimmte Möglichkeiten durch Zugabe seiner Vitalkraft zu Wahrscheinlichkeiten zu werden, die wiederum einen Prozess durchlaufen, bis sie in der materiellen Welt „ankommen“.

Dabei ist der Magier Gefäß, Tempel, Transformationskanal und Gebärender in einem. „Durch sich selbst“ kann er alles in seinen Kosmos hinein rufen, denn nur durch sich selbst hat er die größtmögliche Macht durch Kraft, Willens-, Wirk- und „Wegerecht“. Hier bestimmt er, was kein anderer für ihn in der Form bestimmen kann.

Nur durch die Übung an sich selbst lernt er seine wahren Möglichkeiten und Grenzen seiner okkulten Kräfte verstehen, was ihm dabei hilft, grundsätzlich auch andere Realitäten für andere zu bewirken. Auch wenn hierbei leicht abgewandelte Kriterien zu erfüllen sind.
Aber dazu vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Kapitel mehr.

Anthera


Copyright © Anthera / Anthera-Verlag



Mittwoch, 31. März 2010

~ Über das rein geistige Fluidum ~

 

Autor: Aristophanes


Durch sein Denken und Handeln erzeugt der bewusste und auch der unbewusste Mensch zu jeder Zeit ein metaphysisches Fluidum. Er ist überall und zu jeder Zeit unabhängig von unseren Fähigkeiten oder Vorlieben von geistigem Fluidum umgeben. Geistiges Fluidum durchdringt den Menschen bis in seine letzte Zelle und strömt aus ihm heraus. Diese Substanz ist es, die unser unsichtbares Ich formt, erhält und bewahrt.

Nun verhält es sich so, dass der Mensch stetig nicht sichtbares Fluidum produziert und an seine Außenwelt abgibt. Das Fluidum ist in seiner Qualität dergestalt beschaffen, wie die innerste Struktur des Menschen. An diesem Fluidum erkennt ihn der Sensitive, denn es beinhaltet eine gänzlich präzise und in sich geschlossene Charakteristika, die als Summe der Gedankenwelt eines Individuums zu verstehen ist. Anhand dieser Summe erkennt ihn der Sensitive besonders auch dann wieder, wenn er schon einmal mit ihm Kontakt hatte.

Jeder Mensch ist theoretisch über seine Gedankenwelt metaphysisch abbildbar. Das besagt, das ganz bestimmte Verhaltensauffälligkeiten (d. h. von der „Norm“ abweichende bis überdurchschnittliche) auch dann für einen anderen wahrnehmbar sind, wenn er diese nicht ausdrücklich herauskehrt. Denn das Fluidum ist für einen Seher in der Regel sichtbar. Aus ihm kann er den Charakter, Stärken, Schwächen und häufig die bedeutenden Ereignisse eines Lebens herauszulesen, die wie eine Markierung ablesbar bleiben. Die Beschaffenheit des Fluidums lässt wiederum Rückschlüsse auf seinen ganz eigenen Entstehungsprozess zu.

Der Mensch nimmt also ständig Fluidum aus der Umgebung auf und gibt eigenes Fluidum an seine Umgebung ab. Dies geschieht über seine Geistkörper. Dabei nimmt er bewusst oder unbewusst das ebenfalls reingeistige Fluidum derjenigen Wesen auf, mit denen er sich umgibt oder mit denen er sich befasst. Und er nimmt das Fluidum der Wesenheiten auf, die sich mit ihm im momentan gleichen Raum (horizontal/vertikal) befinden.

Je intensiver er sich mit speziellen Wesenheiten oder Menschen befasst, desto mehr ihres Fluidums nimmt er dabei in sich auf. Es ist wahrscheinlich, dass er nach einiger Zeit sogar beginnt zu denken wie jener Mensch oder Intellekt, mit dem er sich intensiv befasst.

Daher wird es für ihn nötig, sich nicht unnötigerweise mit Dingen zu befassen, die ein schlechtes Fluidum erzeugen. Wendet er sich den höheren Geschöpfen des Himmels zu, die stets reingeistiges Fluidum von hoher Qualität in das menschliche Feld atmen, dann nehmen seine Zellen diese neuartige Information auf, was zur Folge die Erzeugung eines Fluidums von hoher Qualität hat.

Verändert der Mensch seine Art zu Denken und zu Handeln, verändert sich auch sein Fluidum. Fluidum von ausgezeichneter Qualität erhält er nur durch ausgezeichnetes Denken und Handeln. Dazu muss er bestrebt sein, sich selbst lebenslang zu veredeln, sterbliche Verhaltensweisen in unsterbliche zu verwandeln und schlechte Gewohnheiten durch außergewöhnliche und ehrenhafte Tugenden als Basis seines Charakterbildes herauszubilden.

Betrachten wir als nächstes das reingeistige Fluidum des Okkultisten:

Ihm genügt das alleinige Wissen um die Existenz verschiedener Wirkkräfte bekanntermaßen nicht. Er ruft sich vielmehr ganz bewusst ein beliebiges Fluidum in seine Geistkörper, um nachhaltige Belege für tatsächliche Wirkkräfte zu erhalten. Er wird höchst wahrscheinlich im Laufe der Zeit dazu übergehen, gezielt Orte aufzusuchen, denen das Fluidum einer geistigen Größe, eines Genies oder begnadeten Schöpfergeistes anhaftet. Folgt er der Spur eines intellektuell höher stehenden Genius, profitiert er davon und kann buchstäblich aus dem „Nichts“ an Informationen gelangen, die vor einigen Jahrhunderten aus reinem Unverständnis heraus als Schwarzkunst geahndet wurden, da sich nicht erklären ließ, wie jemand, der weder lesen noch schreiben konnte, aus dem Nichts heraus hochgeistige, religiöse oder gar wissenschaftliche Traktate abzuhandeln vermochte. Desweiteren war das bewusste Aufnehmen fremden Fluidums durch einen „Kundigen“ für dessen Umfeld mit unkontrollierbaren Risiken verbunden.

Ein Mensch mit einem besonders hohen Gehalt an gutem (d. h. qualitativ hochwertigem) Fluidum ist u. a. an seiner äußeren und inwendigen Charakteristika zu erkennen. Er besitzt in der Regel eine starke Ausdruckskraft und Stärke, andere durch Worte, Taten oder durch eine bestimmte künstlerische Fähigkeit in seinen Bann zu ziehen, was hier meint, er verfügt häufig über eine hohe Attraktivität, die persönliche Anziehungskraft, durch welche er wie ein Magnet zu wirken beginnt, immer im Auge auch der Ausschlag in die zwei Extreme möglicher Begegnungen, bei denen die einen ein Gefühl der Abneigung und andere tiefste Bewunderung empfinden.

Die Besonderheit jener Menschen mit ausdrucks- und wirkungsstarkem Fluidum liegt also in einer Art schwer zu definierender Mystik, die sie umweht. Eine Aura, bei der wir selbst bisweilen höchst schmerzvoll an die Betrachtung unserer eigener fluidalen Substanz gemahnt werden. Der Okkultist hat naturgemäß die Neigung, bewusst höher qualitatives Fluidum zu invozieren, um sein eigenes zu verbessern.

Es ist also jenes „Einatmen“ von noch fehlenden oder unzureichend ausgebildeten, universellen, meist nicht irdisch zu erlangenden Eigenschaften, die der Seelenbeschaffenheit angehören. Daher ist es für den Okkult-Denkenden und Okkult-Handelnden Menschen von außerordentlicher Wichtigkeit, sich um seiner Selbst und seines Auftrags Willen mit unsichtbaren Wesen der höheren Himmel zu zentralisieren.

Denn was der Mensch durch seine Überzeugungen herausstellt bzw. was als Fluidum aus ihm heraus fliesst, wird unweigerlich zu seinem Schicksal, dessen sich sein ihm zugehöriger Schicksalsdämon oder –engel annehmen muss.

Der Schicksalsdämon oder -engel hängt stark mit dem „ethos“ des Menschen zusammen. Mit dem, was er als seine ethisch-moralische Grundordnung definiert und auf die er ständig vom Schicksal geprüft wird; daraufhin, wie tief die Grundsätze im Menschen verankert sind, denn nur der tiefverankerte ethos wird zur Tugend – und taugt als Basis der menschlichen Seele, aus der im Leben wie im Tod einst die Überseele als geistiges Prinzip in Form seines Engels oder Dämons hervortritt.

Wien im März 2010


Copyright © Aristophanes / Anthera-Verlag



Sonntag, 21. März 2010

~ Auflösung von Negativ-Clustern ~

 

Autor: Wanja Benuaté

Jeder war schon einmal krank und kennt wahrscheinlich folgendes: Sobald es einem wieder besser geht, startet oft aus einem inneren Drang heraus eine große Reinigungsaktion. Es werden alle möglichen Betten frisch bezogen, das Zimmer gelüftet und ausgiebig gereinigt, das Laminat gewischt, der Teppich gesaugt, frische Blumen hereingestellt usw.

Was in der Regel unbewusst abläuft, hat einen Grund. Jede Krankheit (egal ob kurz oder lang) verursacht ein entsprechendes Cluster, eine Ansammlung von Gedankenformen und Elementalen, meist an der Stelle ansammelnd, an der sich das Kopfende des Bettes befindet, denn über dem Kopf formen sich Gedankenformen, die in Form einer unsichtbaren Masse durch unser Scheitelchakra austritt. Zumeist geschieht das, wenn wir während unserer Krankheit schlafen. Ganz klar können wir das z. B. bei Fiebererkrankungen beobachten, beklemmende oder bizarre Fantastereien oder Alpträume, die – weil sie sich in dieser Cluster-Ansammlung oberhalb unseres Kopfendes befinden – uns Nacht für Nacht auf’s Neue heimsuchen.

Diese Gedankenformen sind Abspaltungen, die sich u. a. aus dem Krankheitsbild ergeben, die der Körper während der Schlafphase abwerfen möchte. Typisch sind hier die Alpträume, die nur dann auftreten, wenn eine Störung innerhalb des Körpers oder der Psyche auftritt. Die durch den Alptraum erzeugten Elementale, die hervorgerufenen Emotionen und die Abwehrreaktionen des Körpers bilden ein Feld, das wie eine kompakte Wolke über dem Kopfbereich hängt (der Ein- und Austrittsstelle für astrale Erfahrungen) und je länger die Krankheit anhält, ständig genährt wird.

Durch die körperliche Schwächung ist es dem Menschen meist nicht möglich, diese Cluster aus eigener Kraft aufzulösen. Erholt er sich von seiner Krankheit, wird auch seine astrale Abwehrkraft wieder stärker und er kann sich aus eigener Kraft dieser Ansammlung an verbrauchter und elementalzersetzter Gedankenmanifestationen entziehen.

Um dieses Feld von Gedankenmustern und –abfällen mit destruktiven und an der Lebenskraft zehrenden Elementalen loszuwerden, empfiehlt es sich, möglichst schon früh mit der Auflösung des Clusters zu beginnen. Hierzu kannst Du zumindest das Kopfkissen frisch beziehen, lüften und dem Raum eine klare, leichte und frische Note geben. Hier eignen sich hervorragend Düfte mit zitroniger Note. Schwere, süßliche Düfte sollten vermieden werden, sie sind in ihrer Grundsubstanz zäh und zähe Gedankenformen können daran leichter anbinden.

Etwa 10 – 50 cm über der Stelle, an der Dein Kopf ruht, befindet sich das durch die Krankheit hervorgebrachte Gedanken-Cluster. Dieses ist von organischen Substanzen sehr leicht aufzunehmen, d. h. Blumen sollten aus der direkten Umgebung entfernt werden, weil sie diese im Feld gesammelten Eigenschaften aufnehmen und an anderer Stelle wieder abgeben können. Wenn Du also krank wirst und in einem Zimmer schläfst, in welchem viele Blumen stehen, solltest Du diese in einen anderen Raum bringen oder am besten vorübergehend auf den Balkon stellen.

Das Cluster kann durch einen spitzen Gegenstand „aufgestochen“ werden. Hierzu eignen sich lange, dünne Gegenstände aus Metall, möglichst mit einer Spitze, denkbar ist hier auch der Gebrauch einer Messerspitze. Ich verwende einen alten, schweren Brieföffner meiner Großmutter aus Silber, für mich das ideale Werkzeug, Cluster aufzustechen und die Gedankenformen zu entlassen. Nach der Anwendung bitte nicht vergessen, das Werkzeug unter klarem Wasser abzuspülen.

Vermeiden solltest Du Gegenstände aus organischem Material, wie etwa Holz, da diese zur Aufnahme der Informationen aus den Clustern neigen oder Objekte, die Du z. B. in der Küche verwendest (etwa einen Kochlöffel oder ein Messer, das Du danach zum Kartoffelschälen benutzt).

Nach dem Aufstechen des Clusters kann der Inhalt an Informationen in alle Richtungen verteilt werden. Hier hilft die Vorstellung einer kleinen kompakten Wolke, die Du mithilfe eines spitzen Gegenstandes aufstichst und die Bestandteile in alle Richtungen verteilst, sodass sich die Wolke aus ihrer kompakten Form löst und die Informationen wie aus einer zerplatzten Hülle in den Raum weichen.

Je kürzer und leichter die Erkrankung, desto kleiner und einfacher ist das Cluster zu entfernen. Typische Orte für große, starke, massive und auch todbringende Cluster sind Krankenhäuser. Ich kenne niemanden, der in einem Krankenhaus (auch wenn er nur eine Nacht dort war) keine Alpträume bekommen hat. Das liegt natürlich an dem von den vielen Kranken vor ihm erzeugten Feld, das sich fast immer über der gleichen Stelle (über dem Kopfende) des Krankenbettes befindet. Je nach Verlauf und Art der Erkrankung kann sich das Feld aber auch erheblich ausbreiten und nicht selten nimmt es auch ganze Räume ein.

Wenn wir in so einer Umgebung schlafen und sich nachts unser Scheitelchakra öffnet, bekommen wir Alpträume aus dem Gedankenfeld, das viele Kranke vor uns hinterlassen haben. Sind gar Patienten in diesem Bett gestorben ist das Ergebnis noch frappierender.

Ist ein Krankenhausaufenthalt unvermeidlich, versuche bitte, das dortige Cluster (das sicherlich immer existiert, wo es Menschen schlecht ging) mit den Dir zur Verfügung stehenden Mitteln aufzulösen. Lasse frische Luft herein, bringe viell. einen leichten, zitronigen Duft mit oder besorge Dir einen leichten Spray mit Zitronenöl, das Du Dir in die Aura (bzw. um den Kopf) sprühen kannst. Sorge dafür, dass keine Blumen auf Deinem Tisch stehen und dass nach Deiner Rückkehr auch die NICHT getragene Wäsche gründlich gewaschen und zum Trocknen an die Luft gehängt bzw. die Leine zum Trocknen auf den Balkon oder in den Garten gestellt wird.

Wanja


Copyright © Wanja Benuaté / Anthera-Verlag



Sonntag, 21. Februar 2010

~ Jenseits der Wahrscheinlichkeit ~ Teil 1

 

Autor: Anthera


Wir gehen in diesem Modell davon aus, dass alles Sichtbare seinen Urgrund im Unsichtbaren hat. Nur wer die Mechanismen der einzelnen Sphären kennt oder „ausgelotet“ und darüber meditiert oder sinniert hat, kann die sichtbaren Ergebnisse und die ihnen vorausgegangenen Prozesse in ihren auch nicht-materiellen Zuständen versuchen zu imitieren.

Meine Ausgangsfrage war: Auf welcher Ebene realisieren sich eigentlich „Wunder“ bzw. welche Ebenen oder Sphären muss ein Ereignis durchlaufen, damit es sich in der Materie als „Wunder“ ausschüttet?

„Wunder“ nennen wir im Allgemeinen jene Ereignisse, deren Ausgangspositionen die Wahrscheinlichkeit gegen sich haben, d. h. das Resultat musste zunächst als „anders beschaffen“ (wie: fest-flüssig-ätherisch) in die Ursachensphäre eingehen um von dort wirken zu können. Den Menschen in seinem Element (=Materie) umgeben mehrere Wirksphären: physisch, astral, mental, kausal…

Die Kausalsphäre ist jene, auf der die Pläne, Konzepte für die sichtbare Welt in das Gefäß der Formung eingekippt werden.

Der Magier strebt sein Leben lang und in der Regel inkarnationsübergreifend danach, irgendwann die höchsten (d. h. auch die abstrakten) Ebenen zu erreichen, um den Mechanismus der Kräfte, die die Welt zusammenhalten und die sie formen, zu ergründen. Steht ein Ereignis bereits kurz „vor“ der Materialisation, ist es relativ einfach, hier nachzuhelfen bzw. den Werdungsprozess zu beschleunigen. Der Magier wird daher immer bemüht sein, sich die Wahrscheinlichkeit zum Verbündeten zu machen. Widerspricht ein Prozess aber der Wahrscheinlichkeit, reicht ein einfaches Ritual zum Herabziehen der noch unsichtbaren, aber bereits geformten Realität nicht mehr aus.

Die Frage lautet also, wie und wodurch kann er die „erhabenen“ Wirkebenen erreichen?

Antwort: Indem er zunächst versucht, Sichtbares bis an seinen Entstehungsursprung und darüber hinaus zurückzuverfolgen, um sich die Werdungs-Abläufe vor Augen zu führen…(nebenbei bemerkt: wir können niemals abschließend sagen, welche Aspekte zusammen genommen berücksichtigt werden müssen, um das „absolute“ Ziel zu erreichen, aber wir können versuchen, den Schöpfungsprozess zu verstehen und ihn ggf. imitieren).

Betrachte zunächst einen sichtbaren Gegenstand (und später ein Ereignis) anhand eines real existierenden Beispiels und verfolge es über die Zerlegung in seine Einzelteile (bzw. Eigenschaften) zurück bis es wieder aus der Materie verschwindet Verliere es dabei aber nicht aus den Augen, sondern erschaffe vielmehr ein logisch aufgebautes System, also von der Herstellung zurück in die Planphase zurück zur Idee, zurück zur Ursache usw…

Diese Sphären müssen sowohl zusammen genommen als auch getrennt voneinander auf möglichst viele Charakteristika überprüft bzw. in die Überlegungen mit einbezogen werden. Erst wenn Du ein funktionierendes Gefüge der mit- und ineinander wirkenden Mechanismen der einzelnen Wirkebenen verinnerlicht hast, kannst Du probieren, damit zu experimentieren.

Dabei kann folgendes Modell unterstützen (eine Vollständigkeit ist hier in der Kürze nicht gegeben, es soll lediglich zur gedanklichen Weiterführung der Schöpfungsszenarien anregen):

Die Dimensionen der Realität:

Erschaffenes/Materielles/in die Materie gekommenes resultiert z. B. aus den folgenden Schritten:

1. Notwendigkeit – Idee – Planung – Herstellung – Angebot

Oder

2. Idee – Planung – Herstellung – Angebot
(„Nachteil“: keine Notwendigkeit, d. h. die Notwendigkeit muss erst geschaffen
werden)

Das 1. Erzeugnis/Ereignis wurde aus einer Notwendigkeit heraus geschaffen, beim 2. wurde die Notwendigkeit nachträglich erschaffen.

3. Die Notwendigkeit ist hier z. B. die „Beschaffung von Geld“ und nicht das IDEALE Erzeugnis, d. h. das Erzeugnis ist wahrscheinlich von geringerer Qualität (weil die Ursache nicht in der Notwendigkeit des Gegenstandes, sondern in der des Profits liegt) und wird sich langhaltig nicht durchsetzen.

4. Um das Resultat zu begünstigen, muss daher mit dem „wahren“ Willen durchsetzen (Erklärung des „wahren“ Willens siehe weiter unten).

Übung: Sinniere darüber, welche Notwendigkeiten welche Resultate begünstigen und welche das Resultat verfälschen.

Wenden wir uns nun der Notwendigkeit zu:

Aus welchen Ursachen resultiert die Notwendigkeit?

1. Ein Bedürfnis (z. B. die Vereinfachung des Alltags) ist Motor für die Notwendigkeit, ein bisheriger Zustand soll verändert/ergänzt werden oder ein bestimmtes Ereignis soll eintreffen

2. Um von einem in den anderen Zusammenhang/Zustand zu wechseln, werden bestimmte Voraussetzungen zur Notwendigkeit (ohne das eine kann das andere nicht entstehen usw.) ohne die der Wechsel nicht stattfinden kann.

Können wir grundsätzlich annehmen, dass der WILLE Ursache einer Notwendigkeit ist?
Oder dass der WILLE eine Notwendigkeit (er)schafft?

Wenn wir dieses Paradigma übernehmen, richtet sich das Sein also nach dem WILLEN (von jeweils irgendwem/irgendwas) und der Wille ist die Basis der Notwendigkeit.

Der „Wille Gottes“ lenkt die Welt, so heißt es in allen Weltreligionen. Können wir Wille hier vielleicht als Schöpfungsmotor sehen? Und Gott als Metapher oder metaphysischen Platzhalter für „alles, was möglich wäre oder ist, das an die Schöpferstelle treten kann“?

Und wie verhalten sich hier Möglichkeit und Notwendigkeit zueinander?

(… weiter im 2. Teil)


Anthera, im Februar 2010

Copyright © Anthera-Verlag / Anthera



~ Jenseits der Wahrscheinlichkeit ~ Teil 2

 

Autor: Anthera

Dem experimentellen Magier geht es darum, Möglichkeiten zu Wahrscheinlichkeiten zu machen, indem er eine Notwendigkeit erschafft. Und weil sie notwendig geworden ist, aus dem Schöpfungsprozess in die Realität „herab“ fließt.

Wie kann sich der ECHTE (=magische) Wille materialisieren? Dem echten Willen steht hier der „unechte“ Wille gegenüber. Dieser agiert nur innerhalb der „niederen“ Gefilde. „Nieder“ bedeutet im übrigen nicht „minderwertig“, sondern, dass sein Kreislauf ist sehr begrenzt ist. Er hat einen kleinen Radius, wobei man das angestrebte Ziel häufig ohne große Mühe selbst mit niederen Mitteln erreichen kann (z. B. Konsum: Ich will ein neues Möbelstück, spare und kaufe es mir in 5 Monaten). Das Ergebnis ist hier vorher schon absehbar und hat die Wahrscheinlichkeit nicht gegen sich. Bei einem ganz bestimmten Möbelstück, das bspw. 50.000 Euro kostet, sieht es hingegen schon anders aus. Dieses Ergebnis befindet sich außerhalb des direkten Radius’ eines „Durchschnittsbürgers“ und er muss seinen Radius an Möglichkeiten erweitern, wenn er dem zunächst überhaupt erst einmal entgegen kommen will, d.h. ich vergrößere die Wahrscheinlichkeit.

Der Radius lässt sich nur erweitern, indem ich mir die einzelnen Schöpfungsebenen Schritt für Schritt erarbeite, d. h. so lange vornehme, bis ich sie im Einzelnen und dann im Besonderen (also zusammenhängend als Einheit) in mein Denkmodell übernommen habe. Und mir bewusst vor Augen führe, dass ich hier einen Werdungsprozess einläute, d. h. neue Paradigmen sollten nicht angerissen, sondern verinnerlicht werden.

Wenn ein Wille die Wahrscheinlichkeit gegen sich hat, ist es an dem Magier, diese Wahrscheinlichkeit herzustellen, indem er eine Notwendigkeit erschafft. Wahrscheinlich liegt hier die Schwere dieser Übung. Ist es denn „notwendig“, wenn ich 50.000 Euro für ein Möbelstück ausgebe? Wahrscheinlich *!* nicht, also werde ich den Gedanken i. d. R. auch nicht weiter spinnen. Das Spinnen jener „Lebensschnur“ oder Leitfadens – so lernen uns die 3 Nornen (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft oder Gewesenes/Seiendes/Werdendes) ist aber für den Schöpfungsprozess wesentlich.

Der Magier oder der angehende Magier muss integrieren können, dass eine Möglichkeit immer nur bedeutet, dass das Szenario nur möglich (aber nicht zwingend wahrscheinlich und schon gar nicht unbedingt notwendig) ist. Möglichkeiten bleiben Möglichkeiten, d. h. sie verlassen den unsichtbaren Ideen-Raum nicht bzw. wenn sie ihn verlassen, verlieren sie ihre Eigenschaft (= „möglich“) und bekommen das Attribut „wahrscheinlich“, d. h. sie werden zur Wahrscheinlichkeit. Dazu muss der Magier nun aber ebenfalls die Ebene des Möglichen gedanklich verlassen und in die Erforschung des Reiches der Wahrscheinlichkeit übergehen und sich fragen, welche Voraussetzung er schaffen muss bzw. wie er den Vorgang formen kann, damit sich das Wahrscheinliche manifestiert.

Wir können also davon ausgehen, dass jede Wahrscheinlichkeit vorher eine Möglichkeit war. Treibender Motor ist – wie weiter oben schon erwähnt – die Notwendigkeit.

Wie ergießt sich nun das „Erhabene“ in das „Gewöhnliche“ (das „obere“ Gefäß in das „untere“?) Und ist es zwangsläufig so, dass dabei das Gewöhnliche dadurch erhaben und das Erhabene gewöhnlich wird? Wenn wir es probieren, wertfrei zu betrachten, also nicht in den Denkschemata erhaben=gut, gewöhnlich=schlecht, und es z. B. in die Attribute erhaben=aus den höheren feinstofflichen Sphären stammend und gewöhnlich = in die grobstoffliche Sphäre geflossen (die wir *gewohnt* sind).

Liegt die Schwierigkeit also darin, dass wir das Erhabene nur unzureichend mit irdischen Maßstäben messen können weil es – wenn es in die Materie kommt – gewöhnlich wird?

Umgekehrt wird das Gewöhnliche in den höheren Sphären erhaben und ist außerhalb der Grobstofflichkeit nicht länger gewöhnlich, d. h. wir müssen davon ausgehen, dass das Umfeld die jeweilige Charakterisierung gestaltet. Um etwas zu erhöhen, muss man es auf die erhabene Sphäre bringen und umgekehrt.

Die nächste Aufgabe wird darin liegen, die sphärischen Mechanismen zu benennen, durch die ein Ziel erreicht werden kann, das sich außerhalb des persönlichen Aktionsradius befindet und diese in mehreren Einzelergebnissen zu protokollieren. Durch welche Charakteristika kann eine (vermeintliche) Unwahrscheinlichkeit in eine Wahrscheinlichkeit und wie kann die Wahrscheinlichkeit ganz konkret in eine Notwendigkeit gegossen werden… ?

Anthera, im Februar 2010


Copyright © Anthera-Verlag / Anthera



Montag, 1. Februar 2010

~ Wicca Ritual ~

 

Autor: Isariah

Rituale gibt es schon seit Menschengedenken. Und jeder hat schon so seine eigenen kleinen oder großen Riten ausgeführt und tut dies noch immer. Oftmals unbewußt und ohne sich große Gedanken darüber gemacht zu haben. Aber schon das tägliche Zähne putzen ist ein solches. Oder das abendliche Vorlesen im Kinderzimmer. Diese kleinen regelmäßigen Abläufe ohne welche wir uns den Tag gar nicht mehr vorstellen können, können schon als Rituale genannt werden. Für diese für uns doch so wichtigen Handlungen nehmen wir uns die Zeit ja wir freuen uns teilweise sogar darauf. Um sie dann auch mit viel Liebe und Innigkeit auszuführen. Oh ja, auch beim Zähne putzen verbindet uns eine Innigkeit, und zwar zu uns selbst zu unserem Körper den wir ehren indem wir ihn pflegen und gutes antun.
Die Zeit in der es noch keine Fernseher gab, keine Technik für die Bequemlichkeiten, da waren die Rituale allgegenwärtig. Das Beisammensein nach getaner Arbeit, das gemeinsame Essen waren Bestandteile in vielen Familien. Hier sprach man dann über den Tag, über Arbeiten die noch getan werden mußten.
Da man vom Wetter abhängig war, wenn die Ernte eingebracht werden mußte, verehrte man den Wettergott (das Göttliche) indem man ihn huldigte ihm zu Ehren ein Fast gab und Opfer darbot. Man bat Demeter ( der Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit), um eine reiche Ernte. Diese in regelmäßigen Abständen vollbrachten Huldigungen verstärkten die natürlichen Verbindungen zur Mutter Natur.
Und noch früher, als die Menschen in Höhlen oder in Zelten lebten verehrten sie die Natur auf ganz besondere Weise. In jedem Dorf und in jeder Gemeinde gab es diese Menschen mit ganz bestimmten ausgeprägten Fähigkeiten. Sie taten den ganzen Tag und auch die Nächte nichts anderes als sich der Natur mit seinen riesigen Geheimnissen zu öffnen. Sie erlangten dadurch das Verständnis, um die Geschehnisse der Naturgewalten. Sie konnten mit der Anderswelt kommunizieren und waren so die Vermittler zum Göttlichen. Sie wurden von den Menschen in ihren Gemeinden verehrt. Und sie wiederum verehrten die Götter, sie wußten diese für ihre Sache zu gewinnen. Um ihnen wohl gesonnen zu sein brachten sie ihnen Opfergaben und es entstanden die Altäre. Sie waren heilig und bedurften den besonderen Schutz und die Verehrung der ganzen Gemeinde. Der Altar wurde zu bestimmten Anlässen besonders liebevoll geschmückt. Dadurch wurde den Gottheiten gedacht. So hatte dann wohl jede Gemeinde ihre eigenen Gottheiten welche angebetet wurden.

Der Zyklus der Natur spiegelte sich in den einzelnen Festen wieder. Und so wurden aus den immer wiederkehrenden Festlichkeiten schon bald kleine Rituale. Diese wiederum waren immer einem bestimmten Ereignis einem Gott und einer Göttin gewidmet. Wir kennen heute unsere acht Hexenfeste welche hier den Zyklus der Natur widerspiegeln:
Mond Imbolc, Sonne Ostara, Beltane, Litha, Lughnasad, Lammas, Mabon, Samhain, Yule Die Jahreskreisfeste auch Hexensabbate genannt sind acht gleichmäßig verteilte Stationen im Kreislauf, den die Sonne in einem Jahr durchzieht. Sie werden eingeteilt in vier Sonnenfeste und vier Mondfeste. Die Sonnenfeste werden an den markanten Wendepunkten der Sonne gefeiert, wie Tag- und Nachtgleiche und Sonnwende. Die Mondfeste liegen exakt dazwischen.
Hauptsächlich wurden und werden Rituale für die magische Arbeit genutzt. So helfen sie uns Zauber, Anrufungen und Gebete direkt an Göttin und Gott weiterzugeben. So erhalten wir deren Aufmerksamkeit und können uns ganz unserer Bitte zuwenden. Der persönliche Kontakt zwischen Hexe und Gottheit ist sehr wichtig welche durch die Anrufung noch verstärkt wird. Um eins zu sein mit seiner Gottheit sollte unbedingt ein Ritual durchgeführt werden. Hierbei ist es erstrebenswert immer den gleichen Ritualablauf anzuwenden.

Der Ritualaufbau
Zuerst werden einige Utensilien benötigt, welche für das Ritual und jeder Art von Magie gebraucht werden.

Der Athamen – ein zweischneidiger Ritualdolch, welcher ausschließlich zum Lenken von Energien genutzt wird
Der Kelch - idealerweise aus Kupfer, andere Materialien können jedoch auch verwendet werden
Das Pentakel – in Form einer Scheibe, einem Teller. Bestehend aus Holz oder Metall, jedoch möglichst aus einem 
erdigen Material besteht, da es die Erde symbolisiert
Ein Räuchergefäß – am besten in Form einer Schale, die aus feuerfestem Material besteht
Zwei kleine Schalen – für Wasser und für Salz, wieder aus Kupfer oder einem ähnlichen Material
Kerzen – ich bevorzuge zwei Teelichter welche sich ständig auf meinem Altar befinden 
und farbige Haushaltskerzen, welche man entsprechend dem Anlass aussuchen sollte

Habe ich all diese schönen Dinge zu einem kleinem Gesamtmeisterwerkt aufgebaut, -ach ja natürlich wäre es toll, wenn man einen kleinen Tisch eine kleine Holzbank oder dergleichen zur Verfügung hat. Dieser sollte dann ausschließlich als Altar dienen- kann die eigentliche Arbeit losgehen. Nicht zu vergessen das Altartuch. Hierbei ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Schön wäre es wenn sich auf ihm das Pentagramm befindet und vielleicht noch einige typische magischen Hexenzeichen. Wichtig ist nur, das man dazu dann auch eine gewisse Beziehung hat. Da ich die Mondgöttin absolut verehre, werden es demzufolge ihre Zeichen sein, mit denen ich mein Tuch schmücke.
Nun wäre der Zeitpunkt, mit dem Ritual zu beginnen. Wir befinden uns in einem Raum oder an einem entsprechend schönen Ort mitten in der Natur. Dazu sollte man sich etwas Zeit nehmen, um sich auf die Energien dieses Ortes einzustimmen. Alle Teilnehmer tauschen sich nun aus wer was wann tun soll. Es gibt dem Ganzen immer mehr Dynamik wenn sich wirklich alle Teilnehmer voll mit einbringen. Jeder Mitwirkende sollte eine schwarze Robe möglichst mit Kapuze dazu anlegen. Damit ist schon der erste Schritt in eine andere Welt getan. Mit dem Überstreifen dieser stimmt man sich in die bevorstehende Zeremonie ein. Einen Gürtel welcher aus Naturfasern bestehen könnte wie beispielsweise eine farbige Kordel ist wünschenswert. An dieser wiederum kann der Athame befestigt werden.
Der Altar sollte jetzt in Richtung Norden -was für die Erde steht und Festigkeit und Stärke symbolisiert- stehen, meiner steht in Richtung Osten weil dort die Sonne aber vor allem meine Mondin aufgeht.
Ich denke aber, das der Altar in jeder Himmelsrichtung stehen kann und dies keinen wirklichen Einfluß auf die Wirksamkeit des Rituals hat.
Der Altar kann jetzt ganz individuell geschmückt werden. Dabei sollte man sich des Themas bewußt werden. Zu den acht Jahresfesten gibt es spezielle Anregungen die diese Feste widerspiegeln. Beim Schmücken des Altars sollte jeder mithelfen und Dinge verwenden die mit dem Ritual in Verbindung stehen.
Für das Element Erde verwenden wir ein Gefäß oder eine hübsche Schale mit Salz. Ähnlich dieser sollte das Gefäß für das Wasser ausfallen, welches für das Element Wasser steht. Das Räuchergefäß wird mit Räucherkohle und entsprechender Räucherung gefüllt und steht für das Element Luft. Nun fehlt noch das Element Feuer, welches durch die Altarkerze symbolisiert wird. Damit zeigen wir den Elementen -die wir nachher rufen- ihre besondere Bedeutung an.

Hier nun eine klassische Vorgehensweise des Wicca-Rituals.
Denkt immer daran eure magischen Gegenstände vor der Benutzung zu begrüßen, dies kann durch einen innigen Kuß auf den jeweiligen magischen Gegenstand erfolgen.
Eine schöne Geste, welche uns zeigt, daß das Ritual beginnt, ist das Anzünden der Altarkerze. Alle Teilnehmer stellen sich daraufhin im Kreis auf und zelebrieren den Baum des Lebens. Es kann Einen geben der die Anderen führt. Es kann aber auch jeder für sich allein dies tun.
Dies wird getan, um sich zu erden was sehr wichtig ist. Man gewinnt dabei eine eigene Stärke und Standhaftigkeit und vor allem seine innere Ruhe. Man löst sich von der Außenwelt und tritt ein in eine eigens dafür erschaffene Atmosphäre. Es wird eine Verbindung zwischen Himmel und Erde hergestellt, der ewige Kreislauf des Lebens. Man wird eins mit der Natur, dem Ort an dem man gerade befindet.

Was jetzt kommt ist sehr wichtig. Die Reinigung.
Man sollte innerlich und äußerlich rein und sauber sein. Wir wollen gute kraftvolle Energien anziehen. Auch der Ort an dem wir uns befinden sollte sauber und rein sein. Man könnte z.B. in der Natur den Hexenbesen verwenden, um den Ort auszufegen, alle negativen Einflüsse zu entfernen, abzuschütteln. Der Geist, der Kopf sollte rein und “leer” sein.
Bitte nehmt euch vorher einige Sekunden Zeit, um euch richtig auf diesen Ort und der folgenden Handlung einzustimmen. Seid eins mit dem was ihr tut und vor allem denkt immer daran: Euer Wille kann einen Zauber auslösen. Ihr setzt eure magische Energie frei.
Zuerst wendet man sich dem Altar zu, um diesen zu reinigen, danach sich selbst und dann alle Teilnehmer und natürlich sollten die jeweiligen Himmelsrichtungen die Elemente im Osten im Süden im Westen und im Norden nicht vergessen werden. Die klassische Variante wäre die Wasser-Salz-Reinigung.
Sodann wird der Geist des Wassers gerufen mit den Worten:
»Ich beschwöre dich oh Wesen des Wassers, auf das du alle Unreinheiten und Unsauberkeiten der Welt, der Geister, der Illusionen abwirft….Daher segnen wir dich mit den heiligen Namen von … und…«
Währenddessen wird mit der Athame ein Kreis deosil in der Wasserschale gezogen. Nun führt man die Athame in die Schale welche mit dem Salz gefüllt ist und spricht die Worte:
»Sei gesegnet, oh Wesen des Salzes halte alles Schlechte und Hinderliche fern und laß alles Gute herein…Daher Segnen wir dich mit den heiligen Namen von … und …«
Anschließend wird mit der Spitze der Athame das gesegnete Salz in das gesegnete Wasser getaucht. Diese Handlung erfolgt dreimal. Mit der Athame wird nun deosil ein Kreis in der Wasserschale gezogen und gleichzeitig die Worte gesprochen:
»Doch erinnere dich und denke immer daran, so wie das Wasser den Körper reinigt so reinigt die Geißel die Seele daher segnen wir dich mit den heiligen Namen von … und …«.
Zum Schluß zieht man mit der Athame ein Pentagramm in der Wasserschale taucht am Ende mit der Spitze der Athame in die Mitte des Wassers ein
und spricht: »SO SEI ES!«
Nun taucht man Mittelfinger und Daumen ins Wasser streckt den Arm nach oben aus und sprenkelt das Wasser ab mit den Worten:
»Im Namen des Lebens! Das gleiche nach unten: im Namen des Todes! SO SEI ES!«
Nun wird der Altar mit all seinen magischen und anderen auf ihm befindlichen Gegenständen gereinigt. Danach reinigt man sich selbst, indem man einen Schluck aus der Wasserschale trinkt. Jeder einzelne Teilnehmer wird nun mit den Worten begrüßt sei gesegnet, um dann aus dem Kelch mit dem gesegnetem Wasser zu trinken. Bei diesen Handlungen werden die Worte: »mit Wasser und mit Salz reinige ich dich!« gesprochen. Nun geht man deosil im Kreis, wobei man sich schon vorher darüber ausgetauscht hat ob man im Norden oder im Osten beginnt. Man sprenkelt das gesegnete Wasser mit den Worten:
»Mit Wasser und mit Salz reinige ich …« und vollführt dies in alle vier Himmelsrichtungen.
Dabei sollte beachtet werden, das egal was man gerade tun will, man sich immer deosil (also im Uhrzeigersinn)im Kreis bewegt.

Die Reinigung ist erfolgt und nun man wird erfüllt mit Feuer und mit Rauch. Der Ablauf ist ähnlich wie der bei der Wasser-Salz-Reinigung. Man beginnt am Altar, indem man die vorher bereitgestellte Räucherung in die vorbereitete Räucherschale gibt. Auch hier beginnt man mit dem Altar, dann man selbst, danach die anderen Teilnehmer. Mit der Räucherung werden alle Anwesenden “erfüllt”. Dies geschieht dadurch, daß jeder den Rauch einatmet und in ihn wortwörtlich eintaucht, mit den Worten des Zelebrierenden: »Ich erfülle dich mit Feuer und mit Rauch.« Dieser geht dabei mit dem Räuchergefäß, um jeden einzelnen herum. Und zuletzt werden die vier Himmelsrichtungen bedacht.
Zweck dieser Übung ist nachdem man nun gereinigt ist, sich und den magischen Platz zu erfüllen. Traditionell entspricht der Rauch auch dem Atem der Götter. Das Räuchern als solches hat eine vieltausendjährige Tradition, sowohl zu religiösen, als auch zu medizinischen Zwecken. Im Ritual dient es eher dazu den Wesenheiten und Gottheiten näher zu kommen.
Dafür wiederum bedarf es den Schutzkreis.
Dieser ist wichtig, um einen Rahmen zu schaffen, vergleichbar mit einer großen hellleuchtenden Kugel (wobei hier der Phantasie keine Grenzen gesetzt werden, wie man ihn sich am besten vorstellt. Ganz wichtig ist es, ihn zu visualisieren – die Kraft der bildlichen Vorstellung, welche die Macht in sich birgt zu erschaffen und somit real zu werden.).
Man schafft sich einen Raum jenseits von Gut und Böse, jenseits der alltäglichen Welt, eine kleine Welt ein kleiner ferner Ort, ein Raum, um den Wesenheiten die Möglichkeit zu geben, ungestört zu kommen. Einen Raum der die feinstofflichen Energien anzieht und beschützt. Denn das ist der Ort, wo man als Hexe und Magier geschützt agieren kann.
Mit dem Athame wird er deosil gezogen, wobei man sich schon vorher im Klaren darüber sein sollte, wie groß er sein wird. Auch hier spricht man zur Unterstützung der Anrufung einige beschwörende Worte: »Ich beschwöre dich, oh Ring der Macht…«. Danach, sollten die einzelnen Wächter eingeladen, gebeten werden zu kommen.
Den Wächter des Ostens Euros als Quelle der Luft, Den Wächter des Südens Notus als Quelle des Feuers, den Wächter des Westens Zephiros als Quelle des Wassers und zum Schluß den Wächter des Nordens Boreas als Quelle der Erde.
Beim Öffnen wird ein beschwörendes Pentagramm mit der Athame gezogen, dabei spricht man die Worte: »Ich öffne ein Tor im Osten, Euros, ich/wir rufen Euros, Herr der Luft schwinge herbei, wir rufen und beschwören dich komm zu uns, um unseren Kreis zu schützen und Zeuge unseres Rituals zu sein. Sei hier und jetzt Heil und Willkommen.« Bei den Anrufungen der einzelnen Wächter kann man sie sich als heran schwebende Wesenheiten in den jeweiligen farblichen Aspekten vorstellen. Meine Assoziationen sehen so aus (natürlich kommt es auch immer auf die jeweils herrschende Wetter- Stimmung an):
Herr des Ostens in strahlendem Weiß oder Blau aus den Wolken der Luft heran schwebend
Herr des Südens im glühendem Rot und Gelb als lodernde feurige Flamme
Herr des Westens in den Farben blaugrün, graublau, strahlendes Meer, Herrliches Meeresrauschen
Herr des Nordens in den warmen Naturfarben braun, ocker, beige, als starkes ruhiges beschützendes kraftvolles Wesen

Wir haben die vier Wächter gerufen und jeder, der dies schon einmal erlebt hat, kann diese Kraft, diesen Schutz spüren. Ich für meinen Teil bin jedes mal von neuem entzückt und erstaunt über diese enorme Kraft.

Nun sind alle Vorbereitungen für die eigentliche Arbeit getroffen. Der sogenannte Hauptteil des Rituals ist von Mal zu Mal unterschiedlich, entsprechend ob es ein Jahreskreisfest, ein Mondritual oder ein entsprechender Arbeitskreis sein soll. Gott und Göttinnen werden gerufen. Dazu wird zuvor der Kraftkegel zelebriert. Im allgemeinen durch ein zuvor abgestimmtes Mantra, in welches sich nun wirklich jeder einzelne Teilnehmer mit einbringen sollte. Um so intensiver das Mitwirken jedes Einzelnen, um so mehr Kraft, um so mehr Energien können aufgebaut werden. Gott und Göttin können in den Kreis gerufen werden -Evokation- oder aber der Hohepriester und die Hohepriesterin stellen ihren Körper als Kelch zur Verfügung und es erfolgt eine, bzw. zwei Invokation/en. Dieser Teil kann ganz unterschiedlich gestaltet werden.

Man kann eine invozierte Gottheit z.B. um Rat und Tat in allen Lebensbereichen befragen. Wenn es schwierige Situationen gibt oder sich Menschen im Umfeld merkwürdig verhalten, kann man die Wesenheit fragen, wie man mit z.B. einem sehr launischen und cholerischen Chef umgehen soll, was man tun kann, um eine bestimmte Position oder Beförderung zu bekommen usw…
Oder man kann die Gottheit bitten, während ihrer Anwesenheit Gegenstände, Talismane, Fetische oder Schutzamulette usw. aufzuladen bzw. mit der Energie der Göttin/des Gottes zu füllen…
Die Arbeit mit den Gottheiten beinhaltet auch immer eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, mit dem magischen Selbst, denn Rituale sind der Schlüssel zum Geist, der Schlüssel zu Gott und Göttin. Hierbei sollte allerdings nicht verwechselt werden, daß das Wesen und die Wirkung der Magie nicht aus dem Inneren kommt. Außerhalb der Hexen/Magier existieren Wesenheiten mit eigener Individualität mit welchen es gilt, Kontakt aufzunehmen und diese als Freunde und Helfer zu gewinnen. Niemals befehlen wir! Wir bitten in geeigneter Form, um Hilfe, um im Einklang mit dem Willen eine Veränderung herbei zu führen.

Bevor man nun zum feierlichen Beisammensein kommt, werden vom Hohepriester und der Hohepriesterin der Kelch mit dem Wein gesegnet, sowie in der klassischen Art der Kuchen (kann auch selbst gebackenes Brot sein). Dazu kniet der Hohepriester vor die Hohepriesterin nieder und spricht die heiligen Worte:
»So, wie die Athame männlich ist so ist der Kelch weiblich und zusammen bringen sie den Segen der Götter.«
Der Hohepriester oder die Hohepriesterin reicht den gesegneten Kelch mit Wein weiter. Hierbei erfolgt der Segnungskuß. Das Gleiche erfolgt mit dem geteilten Kuchen.
Das feierlichen Zusammensein wird je nach Raum und Zeit unterschiedliche Impulse beinhalten. Ganz wichtig ist hierbei noch, daß der magische Kreis möglichst nicht verlassen werden darf. Sollte dies doch einmal nötig sein, so sollte derjenige ein Tor öffnen, hinaustreten und es dann sogleich wieder verschließen. Das Gleiche gilt beim erneuten Betreten.
Ist der Rausch des Festes vorbei muß der Schutzkreis aufgelöst werden. Zu allererst danken wir den Gottheiten für ihre Anwesenheit. Danach werden die vier Wächter verabschiedet. Ähnlich wie bei der Anrufung wird jeder einzelne nun durch ein bannendes Pentagramm mit den Worten: »… ich danke dir für deine Gegenwart. Kehre nun in dein Reich zurück. Segne uns und sei gesegnet. Heil und Lebe wohl. Ich schließe das Tor im…«
Der Kreis wird durch die Athame gegen den Uhrzeigersinn aufgesogen, aufgelöst. Es gibt alternativ die Möglichkeit, den Schutzkreis durch ein lautes gemeinsam ausgerufenes „Patt!“ aufzulösen. Alle Teilnehmer können sich nun mit einer herzlichen Umarmung gegenseitig danken.

Ich denke, man kann dieses Thema noch viel ausführlicher beschreiben. In der Hoffnung alle wichtigen Dinge kurz angeschnitten zu haben endet hier mein Bericht mit einem persönlichen Fazit:
Es gilt für alle Hexen, auch die, die sich einem Coven angeschlossen haben.
 Lass Dich nie zu etwas zwingen, was Du selbst nicht willst, denn das ist nicht der Weg der Hexe!

Seid ganz nett gegrüßt, Isariah


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Freitag, 1. Januar 2010

~ Auch das Fürchten soll man lernen ~

 

Autor: Aristophanes


Grimms Märchen – ein kultureller Schatz und mit ihren archaischen Symbolen und Seelenbildern bedeutsam für das Heranwachsen einer gesunden Gesellschaft..

Gleichwohl: Viele Pädagogen lehnen Grimms Märchen wegen ihrer Grausamkeiten schon seit einigen Jahren in zunehmendem Maße ab. Groß ist der Aufschrei, wenn es darum geht, die Sprösslinge unserer hochwohlgeborenen Gesellschaft vor bösen Hexen und der Aufzählung jener drakonischen Strafen zu bewahren, die das Böse zum guten Ausgang des Märchens immer ereilen.

In der Grausamkeit, die nebenbei bemerkt nie detailliert beschrieben wird, liegt allerdings ein gewichtiger, psychologischer Auflösungsprozess, der Kindern mehr und mehr verweigert wird. Das Besiegen oder die Überwindung einer lebensbedrohlichen Situation ist wichtig, um die zuvor ins Chaos gestürzte Ordnung wieder herzustellen, die durch ein Unglück – oft dargestellt als Tod der Eltern – einen Unfall, eine Verirrung oder eine andere bedrohliche Ausgangsposition aus den Fugen geraten ist und welche für den Protagonisten mit der reinen Seele die schutzlose Auslieferung in eine grausame Welt voller Gefahren bedeutet.

In Zeiten der Altvorderen wurden Jugendliche noch traditionell durch eine Zeremonie feierlich und gemeinschaftlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Dieser Ritus führte sie z. B. mit Gleichaltrigen in den Wald. Zum Überlebenstraining, um des Fürchtens Willen, damit die Furcht gebannt und überwunden werden konnte. Ziel war es, die Heranreifenden für das oftmals harte Leben zu wappnen. In einem geschützten Rahmen wurde ein Ritus vollzogen, der die Jugendlichen auf eine Bewährungsprobe stellt. Jeder muss den Weg eines Sterbeprozesses nehmen, um als neuer Mensch aus der Asche wiedergeboren zu werden. Die Raupe stirbt für den Schmetterling. Und so vollzogen die Jugendlichen zur richtigen Zeit eine öffentliche Metamorphose zur Festigung der Einheit von Geist, Körper und Seele. Gesunde Kinder für eine gesunde Gesellschaft.

Wie sieht es hingegen mit der heutigen Jugend aus? Ist die Welt angesichts ansteigender Arbeitslosigkeit, zunehmender Zerstreuung in krank machenden Sinnlosigkeiten und überall um sich greifender Perspektivlosigkeit für junge Menschen, denen so früh wie möglich die Wünsche und Visionen geraubt und zerschmettert werden etwa ein weniger gefährlicher Ort geworden? Ist diese Wildnis, der Dschungel der Zivilisation mit seiner stetig ansteigenden Zahl mit Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen weniger beängstigend oder schauriger als der dunkle Wald unserer Vorfahren?

Waghalsige Mutproben, der „Kicks“ wegen, unterdrückte Aggressionen, Entwurzelung, Depressionen, Lebensängste und –müdigkeiten nie überwundene Traumata, in Watte verpackt, behütet und niemals dem ausgesetzt, was unsere Nachkommen heil, groß, klar und mutig werden lässt, sind das heutige Szenario. Die Unterdrückung der Furcht, ja sogar die Negation und vollkommene Verweigerung der den Menschen innewohnenden Ur-Ängste setzen sich seit Generationen ungehindert fort. Ängstliche Kinder werden zu ängstlichen Eltern und die bis an die Zähne bewaffnete Gesellschaft entsetzt sich angesichts ihrer eigenen Todesängste (denn das Leben endet zwangsläufig mit dem Tod) über unkontrollierbare, amoklaufende Schulgänger.

Das Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ ist höchstwahrscheinlich aktueller denn je. Oder es hat nie an Aktualität verloren sondern ist eine zeitlose (d. h. ewiggültige) Parabel vom Fürchten. Wem schauderte als Kind nicht gern in der Atmosphäre eines geschützten Raumes, am Lagerfeuer, im Ferienlager oder zuhause bei einem Buch oder Film, wenn die Eltern ausgegangen waren? Wer die Furcht nie bewusst kennengelernt und überwunden hat, wird aller Voraussicht nach sein Leben lang damit verbringen, sich anderweitigen Nervenkitzel zu beschaffen. Und er zieht ständig umher auf der Suche, das Fürchten zu lernen – um es zu überwinden.

Oder kann es ein Zufall sein, dass heutzutage viele Jugendliche geradezu nach dem Fürchten wehklagen, indem sie zu Horror-Fans mutieren, Bahn-Surfen, Komasaufen und Killerspiele spielen?

Und welche Bräuche gibt es heute überhaupt, um unsere Kinder in geeignetem Maße in die Welt der Erwachsenen aufzunehmen? In kirchlich geprägten Gebieten sind es die Konfirmation oder Firmung, Symbol der Aufnahme in die Welt der Eigenverantwortlichkeit und religiöse Pflichtvereidigung. In kommunistischen und sozialistischen Staaten kennt man hingegen die Jugendweihe als die feierliche Anerkennung des Erwachsenenstatus, vom Regime kontrolliert, das ganz nebenher zu den Pflichten eines Erwachsenenlebens ermahnt, ganz oben anstehend die Pflicht zur Wahl und Unterstützung der politischen Führung, die er als braver Staatsbürger mitzutragen hat. Ansonsten gibt es in dieser Hinsicht gesellschaftlich nichts zu bieten. Und es ist mehr als fraglich, ob überhaupt jemand mit diesen noch erhaltenen Fragmenten je irgendeine Angst überwunden hat. (Mit Ausnahme vielleicht der Angst, die Verwandten könnten den großen Tag und damit die großen Geschenke vergessen.)

Was bleibt ist der Nachklang der Lieder und Geschichten aus Tagen, in denen das Grausen nicht unbesiegbar und in jedem Fall überwindbar war und dafür allen heutigen psychologischen sowie psychonotorischen Unkenrufen zum Trotz nicht einmal übermenschliche, irrationale Anstrengung oder todesmutige Drachenbezwinger von Nöten waren, sondern sich allein durch die Klarheit und Authentizität der Protagonisten das lebensbedrohliche Monster alsbald zu einem Häufchen Asche zerbröselte…

Wien im Dezember 2009

Copyright © Anthera-Verlag / Aristophanes



 


Dienstag, 29. Dezember 2009

~ Rauhnächte mit den Ahnen ~

~ Die Ahnen mischen mit ~


Autor: Anthera

In der Zeit zwischen den Jahren sind die Tore zwischen den Welten der Lebenden und der Toten weit geöffnet. Viele Menschen bringen Kerzen auf die Friedhöfe und gedenken ihrer Verstorbenen. In vielen Regionen erzählt man sich in dieser Zeit traditionell im Kreise der Familie Geschichten und mir fiel bei dieser Gelegenheit regelmäßig auf, wie präsent die Verstorbenen gerade in der Zeit der Rauhnächte (25. Dezember – 06. Januar) sind. Sie bestimmen sehr oft die Gesprächsthemen in den Familien, man erinnert sich in dieser Zeit sehr viel einfacher an sie als zu anderen Zeiten im Jahr, denn zum Ende des Jahres ist auch die Zeit für den Menschen günstig, sich nach innen zu wenden, die Arbeit steht gewöhnlich still und kontemplative Tätigkeiten (Erinnerung oder Rückschau) fallen uns leicht.

Ohne größere Anstrengung fliegen uns in dieser Zeit Handlungen, Ideen und Gedanken zu, für die wir im arbeitsreichen Jahr sonst wenig Zeit finden. Dazu kommt die kollektive Kraft, ein großes gemeinsames Gedenken an die Persönlichkeiten, die im vergangenen Jahr verstorben sind, Namen werden verlesen oder auf Hausaltären brennen kleine Lichter neben den Erinnerungsfotos.

Begebenheiten und gemeinsame Erinnerungen kommen aus dem Unterbewusstsein herauf, werden weiter erzählt und Anekdoten wieder belebt, wann der/die Verstorbene einmal etwas gesagt oder zu diesem oder jenem Ereignis getan hat. Es wird viel gelacht und kopfgeschüttelt, und interessanterweise kehrt man besonders in dieser Zeit immer wieder und häufig auf die Geschichten über die Verstorbenen zurück, wiederholt sie sogar mehrfach im Kreise der Familie und ruft sich nicht selten selbst zur Ordnung, dass man schon wieder davon erzählt. Andere Familienmitglieder fügen den Erinnerungen weitere Details hinzu, die sie mit den Verstorbenen erlebt haben und so pflanzt sich der immer zur gleichen Zeit wiederkehrende Nachhall innerhalb der Familie wie ein Samen weiter und bleibt somit unsterblich.

Für mich war es sehr interessant zu beobachten, dass es offenbar sehr vielen Leuten so geht: „Ja, komisch, wir sprechen auch immer vom Vater, wenn wir an Weihnachten zusammen kommen und erzählen uns die lustige Geschichte, wie er z. B. die Ziege vor den Schlitten spannte oder beinah den Nachbarn erschoss als dieser einmal des Nachts auf dem Grundstück herumschlich“ oder „Hat er das wirklich so gesagt? Daran kann ich mich gar nicht erinnern, aber typisch Opa“. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann achten Sie einmal auf die Eigendynamik die diese Erzählungen nehmen. Keiner der Versammelten hat auch nur eine leise Ahnung dessen, was dort gerade passiert. Wie in einem Kartenspiel legt jeder reihum Erinnerung um Erinnerung auf den Tisch, jemand am Tisch nimmt die abgelegte Erinnerung eines anderen auf und legt sie in seinen eigenen Erinnerungsspeicher ab. Spielmacher und Kartengeber sind hierbei die Ahnen. Sie haben regen Anteil am Geschehen und reißen gerade in dieser Zeit ausgesprochen gern die Unterhaltungen an sich.

Typischerweise gibt es irgendwann einen abrupten Abbruch dieses entrückten Zustandes, entweder weil jemand an der Tür klingelt oder weil der Kuchen im Ofen verbrennt, ein Kind stürmt weinend herein und meldet einen Streit, der geschlichtet werden soll usw. Diese abrupten Unterbrechungen sind nach meiner Beobachtung sehr typisch für dieses „Kartenspiel“ der Erinnerungen. Viele springen, wie aus dem Dornröschenschlaf erwacht, vom Tisch auf und gehen einer neuen Tätigkeit nach, der eine verschwindet im Bad, der andere vor den Fernseher. Viele kleine individuelle Realitäten, die eben noch zusammen eine merkwürdig traumhafte Wirklichkeit vereinte, wirbeln plötzlich wieder aus- und umeinander herum. Es gleicht dem Zerplatzen einer Seifenblase, deren Inhalt sich zu vielen neuen Realitäten formt.

Der Zeitpunkt nicht nur über sondern auch mit den Ahnen zu kommunizieren, ist in den Rauhnächten also besonders günstig. Verbindungen kommen in der Regel sehr leicht zustande. Es ist die in jedem Jahr wiederkehrende Gelegenheit, noch offene Angelegenheiten oder Fragen, die durch den Tod einer Person verwickelt oder problematisch erscheinen, zu klären. An anderen Tagen im Jahr sind diese Kontakte natürlich auch möglich, jedoch haben während der Rauhnächte besonders auch jene Persönlichkeiten die Möglichkeit zu einer Kontaktaufnahme, die sich für nicht sehr sensitiv oder empfänglich halten. Und auch das Zeitfenster ist dafür überaus günstig, denn die Tage und Nächte selbst scheinen in der Tat eine eigene Dynamik und Kraft zu besitzen, der sich auch ganz „unesoterische“ Menschen nicht entziehen können.

Die Kontaktaufnahme mit den Ahnen ist auch kein verbotener oder gar schwarzmagischer Akt. Im Gegenteil: Sie ist in dieser Zeit sogar ausdrücklich gewünscht. Denn wenn sich die Verstorbenen in den Rauhnächten schon bei jeder Gelegenheit in unsere Erinnerung rufen und wir Erinnerungen austauschen, damit diese weiterleben, können wir es uns auch erlauben, die Ahnen in dieser Zeit der Einigung mit dem zu betrauen, was uns immer noch beschäftigt oder was wir zusammenhängend mit dem Tod noch nicht klären konnten.

Zur Kontaktaufnahme kann der Name eines verstorbenen Angehörigen in eine Kerze geritzt werden. Stellen Sie diese symbolisch auf ein Fensterbrett. (Das Fenster symbolisiert die Grenze zwischen dem Dies- und Jenseits, das Licht kann aber von beiden Seiten aus gesehen werden). Sprechen Sie den Namen der verstorbenen Person aus und tragen Sie Ihr Anliegen vor. In vorchristlicher Zeit wurden Gebete in Rauch hinein gesprochen (Räucherwerk). Der Rauch stieg mit den Gebeten und Fürbitten in die jenseitigen Welten. Wenn es Ihnen möglich ist, arbeiten Sie nachts bzw. wenn es draußen dunkel ist, denn da sind die Wirkkräfte am stärksten, weil es u. a. zu dieser Zeit die wenigsten Störeinflüsse gibt.

Wenn Sie einen „Beleg“ brauchen, bitten Sie um ein deutliches Zeichen für die nächsten Tage, dass Ihr Anliegen gehört wurde. Oft sind es übrigens „Zeichen“, die schnell übersehen werden, wenn wir durch das Leben rennen und nicht innehalten. Sie sind zwar nicht alltäglich, haben aber durch ihre Subtilität die Neigung zur „Unsichtbarkeit“, z. B. eine weiße Feder auf dem Fensterbrett, ein schwarzer Rabe auf dem Autodach, ein verlorener Schlüssel vor unserer Haustür, der überraschende Anruf einer Person, von der man 20 Jahre nichts mehr gehört hat usw. Was es ist, wird sich immer ganz individuell erschließen. Manchmal ist es sogar schon vorbeigehuscht, bevor es uns wie Schuppen von den Augen fällt…

Leider (oder den Göttern zum Dank) kommt man auch hier nicht umhin, seine Wahrnehmung längerfristig für subtile Effekte oder „Kuriositäten“ zu schärfen.

Gesegnete Tage und Nächte!

Anthera


Copyright © Anthera-Verlag / Anthera

 
 

Sonntag, 29. November 2009

~ Das bildhafte Universum ~

 

Autor: Aristophanes

Das Geheimnis der Geistigen Welt liegt im Wesen ihrer Doppeldeutigkeit.
Die bildhafte Welt ist u. a. die Welt der Emanationen, der universellen Mächte und Gewalten. In der bildhaften Welt scheint es, als könne das Geistige materiell in Erscheinung treten und das Materielle wird unsichtbar – transzendent. Auf dieser Plattform findet sich die Verdichtung/Stoffwerdung der menschlichen Imaginationen.

Um diese Zwischenwelt wahrnehmen zu können, verfügt der Mensch über ein mehr oder weniger brauchbares „außersinnliches Organ“. Hier finden wir also die woanders gern geschmähte Einbildungskraft als real werdende Schöpferkraft wieder. Diese Kraft ist eindeutig darauf ausgerichtet, Realität in die gegenständliche Welt zu „installieren“.

Die Vision dient hier als Motivator. Diese magische Vorstellungskraft, oder: die Fähigkeit zur Imagination, zum Transport von Bildern aus dem Makrokosmos in den Mikrokosmos, ist das Kernstück aller magisch-schamanischen Disziplinen. Sie verhilft dem Anwender zur inneren und äußeren Produktivität, zur Kontemplation und macht ihn schlussendlich vom Schauenden zum Gestalter. Die Qualität dieser Fertigkeit ist kreativ, in vollem Umfang schöpferisch, formgebend, eloquent, dynamisch, lebenspendend, intuitiv, ideenreich, methodisch und konsequent.

Wenn eine Begegnung auf den geistigen Stufen zur persönlichen Erfahrung wird, sich also transfigurierend äußert, dann tritt das Bildhafte aus dem Schatten seiner, von unserer Position gesehen, unsichtbaren Welt heraus und taucht in die sichtbare, materielle Ebene ein.

Die Existenz dort regulierender, himmlischer Mächte ist kein Zufall, sondern augenscheinliche Notwendigkeit. Das Viadukt zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. Selbst jemand, der mit den geistigen Gefilden und deren Völker nicht vertraut ist, kommt nicht umhin, sich einzugestehen, dass es gemessen am Logos des Intellekts absurd wäre, zu behaupten, es gäbe sie nicht, jene Impulse, die aus einem höheren Grund in den kleineren, uns umgebenden als ein Akt der Gnade hineinfließen. Bilder, die seit Jahrtausenden existieren und die jeder – vom Kleinkind bis zum Großvater – kennt. Schließt er die Augen wird auch der Ungläubigste sie sehen: Geflügelte Wesen, durch die Lüfte schwebend, manche Menschen mehr, andere weniger oder auch gar nicht lenkend. Und dieses Bild wird er im Leben nicht los, egal, was er dazu unternimmt.

Im bildhaften Universum finden wir die Baupläne, nach denen die materielle Welt als Geschöpf eines geistigen Schöpfungsprinzips hervorgeht. Der Geburtskanal vom Seienden zum Werdenden ist jener Weg, den das geistige Objekt nimmt, um alle Attribute einzusammeln, die ihm zur Vergrobstofflichung in die materielle Welt dienlich sind. Das Bildhafte materialisiert sich somit innerhalb des Schöpfungsprozesses auf die Frequenz des Greifbaren herunter. Fehlt ihm auch nur ein einziges Attribut, kann es nicht in der sichtbaren Welt ankommen und verharrt so lang in der bildhaften Welt, bis es vervollständigt ist. Je geübter oder je fachkundiger ein Bild imaginiert wird, desto stärker wirken die gestaltgebenden Kräfte. Das Bild legt sein abstraktes Gewand ab und erhält nach und nach immer klar umrissenere Formen durch Ansammlungen jener Verbindungen, die ihm ein Absteigen in die sinnliche Welt gestatten. Auf dieser Dimension, die wir als „reale Welt“ betiteln, erhält alles, was im Makrokosmos als Bild erscheint und dessen Vitalkraft stark genug ist, die dafür benötigten Eigenschaften anzusammeln, seine materielle Gestalt.

Der um diese Doppelbedeutung Wissende behält das geistige Objekt im bildhaften Raum während dessen Transformation im Auge und kann ihm fehlende Charakteristika ergänzen. Er beschleunigt den Werdungsprozess oder verlangsamt ihn. Dadurch wird es ihm z. B. möglich, entfesselte, sich jedoch materialisierende Tendenzen auf der bildhaften Seite zu erkennen und deren Eintritt in die grobstoffliche Welt zu verhindern, hinauszuzögern oder abzuschwächen.

Es kann daher von größter Bedeutung sein, sich intensiv mit dem bildhaften Universum und den darin wirkenden Mächten zu befassen.

Wien im November 2009

Copyright © Anthera-Verlag / Aristophanes



~ Nicht ohne Deinen Willen! ~

Autor: Katharina Monesi


Die Magie in reinster Weise wurde uns vor einigen tausend Jahren „geschenkt“.

Die höchsten „Götter“ haben sich seither deshalb in die Haare gekriegt, weil die „Gefallenen“ ihren irdischen Partnerinnen nach und nach die Magie offenbarten. Natürlich war die Magie in einer Art und Weise schon vorhanden,
denn sie ist in uns.

Wie wird heute mit dem Erbe umgegangen?

Während sämtliche Menschen versuchen, nicht daran zu glauben, gibt es heute ebenfalls etliche Hobbymagier und natürlich auch die allbekannten Verbergungs- und Manipulationskünstler. Abgesehen von denen, welche die Magie dazu verstehen, wieder zum Ursprung des Seins zu gelangen, wird leider zu oft mit allen Energien einfach so „rumgefuchtelt“.

Warum ich das so schreibe, ist, weil Banne, Verbannungen, Flüche und andere Ritualzauber durch die Gegend geworfen werden, ohne die Konsequenzen nur annähernd zu betrachten. Es ist überhaupt nicht damit zu spaßen… spätestens dann, wenn durch „Silvesterspäße“ Anhaftungen übelster Art hängen bleiben.

Durch das Internet hindurch wird hier und da über Banne gesprochen, als ob es das Selbstverständlichste sei, selbst unter solchen, welche sich eigentlich schon Jahre mit Magie beschäftigen.

Selbst Schutzzauber sind Manipulationen, die den „Schützling“ eher hemmen, als schützen können.

Für mich habe ich schnell gelernt, und so bin ich sofort nach einer Erfahrung eines Schutzzaubers übergegangen, nur noch dann zu handeln, wenn es der Wille des Wesens ist, dass ich für diesen so handle. Selbst bei einer Bewusstlosigkeit kann es um Erlaubnis gefragt werden, denn die feinstoffliche Ebene bleibt meist noch erhalten. Manchmal passiert es, dass gar nicht die Seele des dazugehörigen Körpers vorzufinden ist und da ist es dann schwieriger, an den wahren Empfänger zu gelangen.

Ja, selbst das habe ich auf meiner Reise gelernt: Es kann auf der Energieebene einiges „geklaut“ werden, seien es Seelenanteile, Herzanteile, etc. und letztendlich ist es auch schon oft passiert, dass eine Hülle übrig blieb, die nur noch fremdbesetzt durch die 3 D – Ebene wandelt.

Zur Beruhigung: Ich habe das auch nie geglaubt. Offen war ich für alles und was andere schrieben, war nicht für mich verständlich. Doch nun weiß ich durch eigene Erfahrungen, an meinem Körper, meiner Seele und meines Geistes, wie schnell ein Hineinstolpern möglich ist. Trotzdem diente es zur Erweiterung meines Seins… ich lernte die „Magie“ in erster Linie durch das Wehren, dann durch mich und natürlich durch diejenigen, die mir halfen, mich erfolgreich wehren zu können.

Inzwischen hat mir das alles gezeigt, immer bewusster mit mir und den verschiedenen dimensionalen Ebenen umzugehen. Es gibt noch viel zu lernen, denn in erster Linie möchte ich den Mitwesen den Umgang mit mir erleichtern.

Wenn ich also mit Energien umgehe, dann immer behutsamer.

Bei allen „Gebeten“ binde ich immer ein:

„Wenn es der Wille der/des Person/Wesens ist,
dass ich in dieser oder jenen Form eingreife,
dann erst tue ich es.“

Erst letztens war ich in der Wohnung meiner Freundin und fühlte, dass eine Seele herumirrte. Nach ein paar Fragen, stellte ich fest, dass sie in dieser Wohnung fest gehangen hat, weil sie sich nicht traute, den Weg „nach Hause“ anzutreten (Selbstmord). Ich fing folgendermaßen an zu fragen:

„Darf ich Informationen über diese Seele erhalten? Ist es der Wille der Seele, dass ich die Informationen über sie erhalte?“ Nach kurzer Zeit wusste ich, ich sollte ihr den Weg nach Hause weisen. Und so fragte ich die Seele, ob es ihr Wille sei. Sie wollte… und so bat ich meine Engel mich dabei zu unterstützen, ihr den Weg nach Hause zu zeigen.

So nahm ich ihr die Angst und die Seele ging heim.

Als die Seele „zuhause“ ankam, fühlte ich die Energie ihrer Freude.

Ja, das sind die schönen Erfahrungen!


Copyright © Anthera-Verlag / Katharina-Monesi@web.de



Sonntag, 15. November 2009

~ Das Golem-Prinzip - Teil 1~

~ Das verkannte menschliche Potential ~


Autor: Anthera

Der Ursprung und die Herkunft der Golem-Legende ist weitestgehend unbekannt, jedoch sicher mehrere tausend Jahre alt, denn die Erschaffung eines Golems (durch einen „Wissenden“) findet sich u. a. bereits auf altägyptischen Papyri. Aber auch im tibetischen Buddhismus begegnet er uns in Form von durch Menschen erschaffene Tulpas (Wesen, die auch von anderen Menschen wahrgenommen werden können, s. dazu als Anregung z. B. die Aufzeichnungen von Alexandra David-Néel).

Das Prinzip der Erschaffung eines künstlichen Wesens zum Dienst am Menschen ist also schon mindestens seit 3000 Jahren bekannt. Es scheint sich hierbei um ein archetypisches Abbild geistig-seelischer Wirk-Prozesse zu handeln. Fast jeder kennt heute die schaurig-schönen Romane des Okkultisten Gustav Meyrink, aber auch ein Johann Wolfgang von Goethe u. a. Mystiker kamen am künstlichen „Mann aus Lehm“ nicht vorbei.

Wenn wir bei den Vorstellungen und unterschiedlichen Sagen der Golems dieser Welt verweilen, treten in uns zeitweise recht fremdartige Emotionen auf: ein beklemmender Beigeschmack gepaart mit Faszination und im Unterbewusstsein verankert das ungute Gefühl, der Mensch versündige sich, indem er die Schöpfung Gottes imitiert. „Wenn der Mensch Gott spielt“ scheinen uns diese Legenden zu mahnen.

Der Golem ist eine von einem „eingeweihten“ Menschen erschaffene und unabhängig von ihm lebende Wesenheit, entstanden aus einer kraftvollen Gedankenform, die – so der Zweck seiner Erschaffung – nach dem Sinne und den Befehlen seines Schöpfers agiert. Die bekannteste Golem-Legende geht auf Rabbi Löw, ein jüdischer Kabbalist im Prag – dereinst übrigens okkultes Zentrum im Europa – zurück, der nach einer Vision einen Golem erschuf, um das jüdische Volk im Prager Ghetto vor feindlichen Angriffen zu unterstützen.

Der bekannte Prager Golem

Mit zwei Helfern und unter Einbeziehung aller 4 Elemente formte genannter Rabbi Löw einen „Mann aus Lehm“ und hauchte ihm seinen Atem ein. Außerdem schob er ihm ein Pergament in den Mund, auf dem der geheime Name Gottes stand. Nur mit dieser Formel erwachte Klumpen aus Lehm zum Leben. Rabbi Löw hat zweifelsfrei existiert, nach Hinweisen auf die Existenz seines Golems ist immer wieder gesucht worden. Vergebens.

Der Golem wurde nach der Legende des nachts in die Prager Straßen geschickt und kontrollierte jeden vorbeikommenden Mann, ob er nicht ein totes Kind bei sich trug, das er in die Judengasse warf, damit man den Mord später den Juden anlasten konnte. Außerdem fegte er die Synagoge und läutete die Glocken. Damit ihn keiner sah, trug er ein Insofern war der Golem doch durchaus ein nützlicher Diener. Wann oder warum wendete sich der Golem jedoch vom Auftrag seines Herrn ab und ging in die Zerstörung über?

Dieser Zeitpunkt kam, als Rabbi Löw einmal vergaß, dem Golem – wie an jedem Sabbat – den Zettel mit dem Gottesnamen aus dem Mund zu nehmen. Der Golem stürzte daraufhin durch die Prager Straßen und zerstörte alles, was ihm auf seinem Weg begegnete..

Die Moral von der Geschichte scheint die Warnung vor der Schöpfung des Menschen. Denn der Mensch sei nicht vollkommen und könne daher auch keine vollkommenen Geschöpfe hervorbringen.

Schauen wir aber noch auf ein weiteres, viel älteres Beispiel einer Golem-Legende, das sich auf dem Papyrus Vandier befindet.

Die dort beschriebene Geschichte, die nach dem unbekannten Autor, ebenfalls auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, ist diese:

Der (vergessene) altägyptische Golem

Großwesir Sisobek (7. Jahrhundert v. Chr.) wurde während einer Krankheit von seinen Beratern geweissagt, dass er nur noch 7 Tage zu leben habe. Es bestünde allerdings die Möglichkeit zur Abwendung des herbeieilenden Todes, wenn sich jemand an Sisobeks Stelle in die Unterwelt begab und dort Fürbitte für diesen halte, auf dass ihm vom höchsten Gott der Unterwelt seine volle Lebenszeit gewährt werde.

Auf die Frage, wer an seiner Stelle in das Totenreich hinabsteigen könnte, erinnerten sich die Berater des Wesirs an Merire (auch: Mi’jare). Denn Merire war um ein vielfaches weiser und mächtiger als sie.

Sodann wurde dem Großwesir der weise Merire geschickt, der als einziger den Gang in die Unterwelt bewältigen konnte. Merire war nicht nur ein ausgezeichneter General, sondern auch ein Eingeweihter in den magischen Mysterien.

Merire nahm dem König das Versprechen ab, sich während seiner Abwesenheit um Frau und Sohn zu kümmern und stieg hinunter in die Unterwelt. Im Totenreich erfuhr er schließlich, dass der Wesier alle seine gegebenen Versprechen gebrochen hatte. Er ließ Merires Sohn töten, das Haus verkaufen und nahm seine Frau zu seiner Gemahlin.

Vom Totenreich aus war es Merire jedoch nicht möglich, in das Reich der Lebenden zurückzukehren, deshalb formte er einen Stellvertreter aus Lehm – einen Golem – um sich in der Oberwelt am Großwesir und seinen Beratern rächen zu können.

Das magische Prinzip leuchtet ein: Merire formt einen Stellvertreter seiner selbst, den er an seiner statt in die Welt der Lebenden sendet, um die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfuhren, zu vergelten.

Interessanterweise gab es zur damaligen Zeit ein Amulett-Motiv, das häufiger auftrat und sehr beliebt bei den Ägyptern gewesen war. Es stellt ein „Gegengewicht“ dar und symbolisiert Harmonie, den Ausgleich der Kräfte und die Wiederherstellung der Ordnung. Unrecht würde schneller vergolten und Unglück schneller in Glück verwandelt (eine Darstellung eines solchen Amuletts findet sich z. B. im Pariser Louvre und trägt den Namen des Pharao Psammetich, zu dessen Zeit Sisobek Großwesir war).

Die Legende endet damit, dass Merire mithilfe seines Golems Gerechtigkeit zuteil wurde, die Ungerechten wurden bestraft, die Götter der Unterwelt verhalfen Merire zu seinem Recht und die Intriganten wurden in die Unterwelt gezogen, wo sie vom gefräßigen Monster des Totengerichts, der Unterweltsgöttin Ammit, verschlungen wurden.

Zwei Golem-Legenden mit unterschiedlichem Verlauf und unterschiedlichem Ausgang. Über das Schicksal des ägyptischen Golems wissen wir nichts, der unvollständige Papyrus bleibt uns hier eine endgültige Antwort schuldig.

Aus anderen Mythen zur Zeit der Pharaonen hören wir von Golem-Geschöpfen, die an Maschinen erinnern und die mit „Wasser“ vernichtet bzw. deaktiviert wurden. Interessant ist hier allerdings die offenkundig magische Technik, die den Golem-Legenden zugrunde liegt.


Anthera, im November 2009


Copyright © Anthera-Verlag / Anthera



~ Das Golem-Prinzip - Teil 2 ~

~ Die metaphysische Wirk-Ebene des Golem-Prinzips ~



Autor: Anthera

Das magische Weltbild nimmt an, dass geistige und materielle Welt in ständiger Wechselwirkung zueinander stehen. Tatsächlich existierte zunächst alles, was Menschen jemals auf diesem Planeten geschaffen und hervorgebracht haben, als Gedanke. Der Gedanke auf der nicht sichtbaren Welt liefert also die Impulse für das Wirken in der sichtbaren Welt.

Die feinstoffliche Welt teilt sich in mehrere verschiedene Ebenen:

- Astralebene (Sitz der Gedanken- und Gestaltungskräfte unseres
physischen Lebens)
- Emotionalebene (Sitz des Charakters, der Gefühle und Emotionen)
- Mentalebene (Wirkstätte der Inspiration, Kreativität, Impulse, Ideen,
- Kausalebene (Spiritualität, Kommunikation mit dem höheren Selbst, mit Engeln,
Schutzgeistern, Göttern, Wirkebene der Okkultisten, Magier, Schamanen und
anderen “Energiearbeitern”).

Die Ebene, auf der der magische Golem wirkt, lässt sich am besten als Kausal- oder Ursachenebene beschreiben und bedeutet, dass man hierfür die jenseitigen Bereiche (oder Ebenen) des Diesseits und die diesseitigen Bereiche des Jenseits betritt. Man sucht also auch hier nach dem kleinen gemeinsamen Nenner der beteiligten Welten oder das Ying und Yang, das die sichtbare Welt mit der unsichtbaren und die unsichtbare Welt mit der sichtbaren verbindet.

Auf dieser Ebene wirken z. B. Fürbitten, Gebete, die Kommunikation mit Engeln, Geistwesen, Göttern und Verstorbenen, aber auch ganz konkret die Manifestationen geschulter Okkultisten (das Wort Okkultist ist übrigens ein wertfreies, es ist vielmehr nur in unserem Sprachgebrauch negativ belegt, weil er eben, wie der weise Merire mehr wusste als andere und den anderen das Wissen dadurch „verborgen (=occult)“ schien. Es kann hilfreich sein, den Schleier zu lüften und selbst zum Eingeweihten der okkulten Mysterien zu werden).

Um einen Gedanken aus der unsichtbaren in die Realität der sichtbaren Welt „herüber zu ziehen“, kann sich der Mensch auf geistiger Ebene einen Stellvertreter oder Angestellten erschaffen, den er bei Bedarf mit einem bestimmten Programm (Auftrag) aktiviert, d.h. der Magier erspart sich z. B. durch den auf der Mental-Ebene bereits vorhandenen Psychogon (auch: Egregor) lange und oft aufwendige Rituale, er kann den Egregor nämlich an jedem Ort und zu jeder Zeit aktivieren. Oder er setzt dann einen Golem ein, wenn er selbst gerade an einem anderen Projekt arbeitet und keine Zeit aufbringen kann.

Die Golems oder Egregoren (auch Psychogone genannt) sind also Gedankenformen, die aus ihrem Schöpfer „herausfließen“ und durch das Einhauchen seiner Vitalkraft (z. B. durch den Atem) eine eigenständige Wesensform bilden. Die Wirkebene der Gedanken okkult-unbedarfter Menschen ist normalerweise die Astralebene. Okkultisten bzw. Magier, Schamanen u. a. haben ihren Geist dahingehend geschult, dass sie gezielt Egregorene auf der Kausalebene (Die Ursachenebene des bewussten Erschaffens) entstehen und dort als Einflussebene für die materielle Welt wirken lassen können.

Der in die körperliche Welt entsendete Golem

Die herausragende Besonderheit der Golem-Legenden besteht in der Erweckung des Lebens, ich nenne es im magischen Kontext auch „Ermächtigung“. Die Schöpfer haben in allen Kulturen nicht nur Abbilder ihrer Gedanken geschaffen und ihnen Leben eingehaucht, die Geschöpfe waren offenbar allesamt mit den Merkmalen „organischen Lebens“ ausgestattet.

Wenn man den Berichten jedoch aufmerksam folgt, dann waren der Prager Golem und auch der ägyptische aus dem Papyrus Vandier für den nicht-okkulten Menschen unsichtbar, allenfalls als „Phantom“ oder Schatten wahrnehmbar. Rabbi Löw verwendete ein Amulett bzw. ein Sigil, welches seinen Golem für die Menschen unsichtbar machte. In der ägyptischen Version spricht der Golem sogar zu den Widersachern Merires, woraufhin diese wahnsinnig vor Angst wurden, denn sie konnten ihn zwar hören, aber nicht sehen…

Was diese Wesenheiten für uns so unberechenbar (weil unbegreiflich) macht, ist die Existenz auf einer Ebene, zu der der Mensch nicht ohne weiteres Zugang zu haben scheint. Die Mystiker und Okkultisten lehren uns hingegen, dass es möglich ist, diese Ebenen bewusst zu betreten und durch diese unsere Wirklichkeit zu formen.

Der Golem steigt aus der geistigen Welt mittels der Vorstellungskraft und der Ermächtigung seines Schöpfers in die materielle Welt und führt dort seinen Auftrag aus. Denn wie auch ihm, so ist jedem Gegenstand und jedem Lebewesen, das wir wahrnehmen können, bereits ein Gedankenimpuls in der geistigen Welt vorausgegangen.

Wenn wir den Golem fürchten, dann fürchten wir vielleicht „nur“ die Macht oder Ohnmacht unserer eigenen Gedanken. Vielleicht gefallen wir uns ja doch ganz gut in der Rolle derjenigen, deren Gedanken zwar frei erscheinen, aber im Bezug auf unser ganz reales Leben im Großen und Ganzen – Gottlob – so gnädig unwirksam sind. Wir können ganze Höllenszenarien in unseren Köpfen durchspielen – und nichts wird sich je realisieren. So scheint es. Und wenn sich etwas realisiert, dann nennen wir es Zufall und bringen es nicht mit dem in Verbindung, was wir (oder andere) für uns erschaffen haben.

Vielleicht ist es aber auch die Angst vor dem Verlust dieser gedanklichen Freiheit, die uns schlagartig nicht mehr gegeben wäre, wenn sich all unsere Gedanken augenblicklich mit aller klar umrissenen Schärfe, Nacktheit und in vollster Konsequenz für uns materiell greifbar realisieren würden. So liegen die Geheimnisse der Erzeugung von Realität weitestgehend im Verborgenen (okkulten), die Heimat des Unter- und Überbewusstseins . Und dort schlummern sie, bis sich jemand daran erinnert, sie zu erwecken.

Achtsamkeit ist das Stichwort nicht nur für unsere Generation. Der unbedingte Wille und die Fähigkeit zur Verantwortungsbereitschaft. Dann ist der Golem nicht länger Spuk einer okkulten Epoche im Europa der Geisterseher, Propheten, Auguren und Alchemisten, sondern beinhaltet ein Potential, das einem jeden grundsätzlich zur Verfügung steht, der Willens und fähig ist, sich in einem oft nicht einfachen Prozess seinem eigentlichen Wesenskern (das „Leben“ erschafft) zu nähern.

Anthera, im November 2009

Copyright © Anthera-Verlag / Anthera



Dienstag, 27. Oktober 2009

~ Sie kehren immer alle wieder ~

Autor: Wanja Benuaté


Sie kehren immer alle wieder.
Sie reiten auf Winden und mit den Gezeiten.
Sie folgen dem Strahl des Mondes und treten bei Sonnenaufgang in die Welt der Lebenden. Nicht zu deren Schaden, sondern zu ihrem Nutzen.
Ewig.
Denn hinter dem Spiegel liegt eine Welt, die sich dem Menschen nur dann offenbart,
wenn seine Sinne zur Ruhe kommen und sein Geist die Heimat bereist.
Denn dort erkennt er sie. Weil er sich erkennt.
Dort tankt er Nacht um Nacht Kraft für seinen Alltag.
Dort, wo er täglich gefordert wird,
mit all seinen Pflichten, Nöten, seinen Begehrlichkeiten
und seinem sowie anderer Menschen Willen,
benötigt auch sein Geist einen eigenen Raum.
Um zu lauschen, zu empfangen, zu erhellen,
den tiefsten und den dunkelsten Ort der menschlichen Seele.
Aber auch den hellsten, höchsten und reinsten.

Sie kehren immer alle wieder.
Nachdem sie voraus gegangen sind.
Sie singen uns in den Schlaf,
sie bereiten uns eine Heimstatt,
sie empfangen uns mit Pauken, Posaunen und Trompeten am Tag unserer Ankunft,
auf dem Bahnsteig stehend,
im Sonntagsgewand, feierlich, scherzend,
lachend, verwundert,
Sonnenstrahlen auf dem Gesicht von Sonnen, die das Irdische nie gesehen,
das Zeitliche nicht gekannt und das Ewige als wahrhaft wissen.
Dort stehen sie,
zu Hunderten,
neugierig ihre Hälse reckend,
ihre Lieben suchend, die sie so lange nicht berührt oder gesehen haben.

Und während die Heimkehrer ihre Verwandten und Freunde begrüßen,
Geschichten aus der irdischen Welt mit sich tragend,
stellen sie ergriffen fest, dass seit jenem Tag auf Erden,
der ihnen dort noch gestern so schmerzlich lang vergangen schien,
und an dem sie Irdisches untrennbar miteinander verband,
nicht ein einziger Wimpernschlag und keine Sekunde an Zeit vergangen war…


Copyright © Anthera-Verlag / Wanja Benuaté


 

 


Donnerstag, 22. Oktober 2009

~ Seidhr – Urform der europäischen Magie ~

 

Autor: Anthera

Die Seidhr-(nordisch: Seiðr)-Magie ist eine uralte magische Technik der indoeuropäischen Völker. Sie wurde nach dem spirituellen Kosmos der damaligen Kulturen den Menschen vom Göttergeschlecht der Vanen beigebracht. In der Überlieferung waren es häufig (aber nicht ausschließlich) weibliche Mitglieder der nordischen Völkergruppen, die sich mit Seidhr-Magie beschäftigten. Sie ist nur noch fragmentarisch überliefert und erfordert daher ein hohes Maß an Eigeninitiative, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Seidhr anhand der noch erhaltenden Bruchstücke wahrscheinlich angewendet wurde.
Die lenkende Macht des Seidhr ist die Vorstellung der Kraft aus sich selbst heraus, d. h. diese uralte Form der Zauberei kommt im Kern ohne äußerlich anzuwendende Hilfsmittel aus. Sie bedient sich der eigenen Kraft unter Zuhilfenahme der 4 Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde.
Um Prozesse zu beleben, zu beschleunigen, um zunächst unbeseelte (tote) Dinge mit Leben zu füllen, neue Lebensformen zu erschaffen oder sich mit den unsichtbaren Welten zu verbinden wurden Gegenstände, Bilder, Imaginationen, heilige Orte, Menschen, Tiere oder Haushaltsgegenstände besprochen oder je nach Intensität und Zweck auch besungen. Die Wirkung lag dabei in der „richtigen“ Intonation. Der Gegenstand wurde durch Gesang beim „Namen“ genannt, Namen nicht als Folge von Buchstaben gemeint, sondern als Verkettung verschiedener „Essenzen“ (einzelner Buchstaben) zu einem harmonischen Ganzen.
Durch die Stimme des Seidhr-Magiers wird der zu besingende Gegenstand zu einer u. U. neuen, ätherischen Gestalt gebracht, d. h. man kann die Schwingung je nach gewünschtem Resultat erhöhen oder reduzieren, um bestimmte Wesensveränderungen oder das Herausstreichen einer Absicht zu bewirken.
Ein verlorenes Gleichgewicht kann wieder hergestellt werden, z. B. wenn ein Mensch aufgrund einer Krankheit niedrigfrequent schwingt, und zwar durch Ausgleich und Erhöhung der Frequenz im Sinne der Harmonie und des Hinwirkens auf ein in uns selbst ruhenden Heilungsvermögens. Von außen kann den Menschen nichts heilen, wenn er innerlich nicht die Weichen dafür stellt. Deshalb liegt nah, dass Heilung allein im Außen niemals möglich ist.
Die Tradition von Zaubergesängen führt uns sicherlich bis zu den prädynastischen Wurzeln menschlicher Existenz. Lange ist es kein Geheimnis mehr, dass fast überall auf der Welt Völker existierten und existieren, die zu bestimmten Zeiten oder zu bestimmten Zwecken Naturgewalten, Menschen, Tiere und Götter besangen, um sie für sich einzunehmen.
Der Seidhr-Mensch hebt die irdischen Grenzen mit dieser Technik auf, kann über höhere Selbste mit anderen Welten kommunizieren und erhält Antworten auf die Themen des alltäglichen Lebens. Seidhr ist Lebenshilfe pur und ganz direkt. Klar und schnörkellos.
Das Prinzip des Gleichklangs finden wir z. B. auch bei den Stimmgabeln wieder. Angeschlagen erzeugen sie einen bestimmten Ton und ihre Schwingung wird auf die unmittelbare Umgebung übertragen, setzt sich sogar in dieser fort. Der angeklungene Gegenstand verhält sich dann genau wie sein Klang, der vorgegeben wurde. Er klingt in A oder C, eben wie die Gabel.
Das verstanden die Indoeuropäer u. a. unter Seidhr. Das Wort ist sehr alt, sodass keine eindeutige Überlieferung der ursprünglichen Wortbedeutung überlebt hat. Als gesichert gilt der Zusammenhang mit den Vanen und der Zauberkraft, mit denen die Vanen die Asen so sehr reizten, dass es sogar zum Krieg zwischen den beiden Göttergeschlechtern kam.
Mit der Seidhr-Technik sind wir jedoch nicht nur. in der Lage, Klangkörper zu erschaffen, die sich miteinander in Harmonie befinden.
Es überrascht nicht, dass aufgrund der alten und langen Tradition des Seidhr in der Abendländischen Kultur viele Zauberformeln in Gesänge eingewebt wurden und so zu überlieferten und auch verbotenen Zaubergesängen wurden. In der jüdischen Mystik ist uns das Prinzip der Kabbala bekannt, die von der Kraft einzelner Buchstaben ausgeht, die intoniert bestimmte Kräfte beinhalten, die man für sich nutzen kann. Ein Name hat daher auch immer eine ganz bestimmte Qualität, wie weiter oben schon einmal beschrieben, ist es weniger der Namen selbst, sondern die einzelnen Buchstaben, die intoniert eine bestimmte Kraftkonzentration ausmachen. Jeder Buchstabe, jeder gesungene oder intonierte Ton bewirkt dabei einen ganz speziellen Aspekt in der materiellen Realität.
Gebete, Anrufungen, Beschwörungen, geflüsterte, gesungene oder gesprochene Formeln (bereits existierende oder für einen eigenen Zweck erschaffene) fallen unter diese Tradition. Aber auch Trance-Reisen, Divination und der Kontakt zu den Ahnen.
Das Wort oder der Buchstabe selbst hat hier die Macht, der Zaubergesang erweckt diese durch das Werkzeug Stimme zum Leben, da es von der Existenz bestimmter Kräfte ausgeht, die im „gesprochenen Wort“ (bzw. Buchstaben) inne wohnen.
Als Trancetechnik verwendet kann man über die astralen Ebenen mit der Seidhr-Technik auf die Realität einwirken. Dazu wird es notwendig, dass ein (innerer) Raum geschaffen wird, das wir uns wie ein Zimmer, das wir selbst gestalten, auf der astralen Ebene vorstellen können. Dies wird der Ausgangspunkt aller Seidhr-Aktivitäten.
Ziel dieser Raumschaffung ist zum anderen auch die Reduzierung großer, aufwendiger und manchmal nicht praktikabler Ritualabläufe auf das Wesentliche. Rituale sind gut und richtig, auch wichtig, um komplexe okkult-magische Zusammenhänge zu verstehen, sie müssen aber nicht immer zwingend sein. Die Seidhr-Leute kommen in der Regel auch ohne große Ritualistik aus, manchmal befindet man sich auch an einem Ort (z. B. im Urlaub), wo man nicht alles (oder auch mal nichts) zur Hand hat.
Bei dieser alten Technik, die ein in sich geschlossenes magisch-okkultes Weltbild ergibt, geht es primär um den Gleichklang, um die Harmonisierung, das Aussenden und Empfangen in einem, das der selben „Form wegen“ auf eine gleiche oder ähnliche Frequenz bringen ( „wie…“) oder auf die Schwingung eines Zustands, den ich (noch) erreichen will. Seidhr ist die klassische Form einer magisch-okkulten Simulation.
Das Prinzip ist metaphysisch-okkult betrachtet auch so zu beschreiben:
Wenn Du willst, dass der Frosch zu einem Wolf wird, dann behandle ihn auch ohne Zweifel als einen solchen. Nenne ihn Wolf, suggeriere ihm in allem, was Du tust und denkst, er sei ein Wolf. Und er wird nicht mehr quaken, sondern heulen…

Copyright © Anthera-Verlag / Anthera