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Sonntag, 18. April 2010

~ Zauber wirkende Musik ~

 

Autor: Anthera

Um etwas Ewiges zu schaffen, muss der Mensch bekanntermaßen über sich hinaus wachsen. Nicht klein, sondern groß werden muss er dafür. Und er darf das Über-sich-hinauswachsen nicht fürchten. Ein episches Werk berührt den Großen Geist des Menschen auf sonderbare Art.

Heute wird zu wenig berücksichtigt und nicht wahrgenommen, was solche, oft zeitlosen Werke im Menschen bewirken, der sich eben nicht entzieht, sondern sich der Stimmung hingibt, annimmt, was in ihm erklingt, in ihm entfacht, d. h. es öffnen sich dabei Fenster in der Erinnerung an das Erhabene in ihm, an das manchmal in weite Ferne Entrückte. Durch ständige Banalitäten von ihm abgetrennt, entfernt, durch niedere Einflüsse, sich in sein Bewusstsein festzeckend, keinen Raum mehr für das Erhabene übrig lassend, ihn komplett einnehmend. Was bleibt sind die uns bekannten blassen Gesichter, von der Gewohnheit verzerrt, glanzlos und verkümmert das einstige Erbe – das königliche, heilige Versprechen seiner Schöpfer.

Zum Bittsteller hat er sich erniedrigen lassen, zum Spielball der Verborgenen, derjenigen, die im Dunklen agieren. Die Todesmaschine der Seele, getrennt von seiner Heimstatt, seiner Muttererde, der Seele seines Clans, der Religionen, dem geistigen, kulturellen und dem Ewigen seiner selbst – dem unsterblichen Gemüt, aus dem er verlernte zu schöpfen und so abfiel von früherer Schönheit und Glanz zu einer Schreckenskreatur, kraftlos mit gebrochenen Augen, von dem sich alles abwendet, was lebt, liebt, sich leidenschaftlich vereint. Stattdessen gibt er alles, was er hat an das Niedere, das Oberflächliche, damit ihn nichts mehr berühren kann – oder berühren muss… Darüber verkümmerte er und freut sich noch über die Gnade, es nicht bemerken zu brauchen. Gesegnet ist er vielleicht mit der Unbekümmertheit seiner Ahnungslosigkeit und gleichzeitig gezeichnet.

Erhabene, königliche, ewige, epische, den Archetypus weckenden und die Seele in Brand steckende Musik wurde in Zeiten des dunklen Regiments wegen seiner Macht verboten, mit dem Tode bestraft, dem Teufel zugesprochen, vernichtet, der „Empfänger“ des Genius als Unhold verfolgt, verurteilt, da er es wagte, den Menschen mit anders gearteten Mächten zu verbinden. Manche Musik war schon immer Macht, manchmal Besessenheit, wie in etlichen bekannten Fällen, als sterbenskranke, körperlich-siechende Komponisten angetrieben durch eine unsichtbare Übermacht ihr Lebenswerk vollendeten und nach Abschluss tot zusammenbrachen – um unsterblich zu werden. Brennende Leidenschaft und die Ahnung der Größe dessen, was nur durch sie geschaffen werden konnte, veranlasste den Menschen zu Höherem, zu unvergänglichen, ewigen Werken.

Wird einem sterblichen Menschen etwas derart Großes aus der geistigen Welt (die Welt aus der Künstler, Dichter, Denker, Komponisten schöpfen) gegeben, bedeutete dies, dass dieser Mensch nicht nur Macht über die geistige Intelligenzia, sondern mit diesem Werk auch Macht über Menschen hatte. Er wurde zu einem, der scheinbar die okkulten Geheimnisse kannte und in den Dialog mit einer übermächtigen Natur getreten war, denn nur im entrückten Zustand, in der Zurückgezogenheit gelingt ihm eine große Schöpfung. Wie jedes Epos aus einem entrückten Zustand und aus der Zurückgezogenheit aus dem Alltäglichen und durch die Hinwendung zum Nicht-Alltäglichen entstanden ist.

„Der Himmel erhöht ihn und öffnet ihm die Pforte zu Offenbarungen, weil er den Himmel dazu zwang, denn gebeten hatten vor ihm schon Tausende um ähnliches, was ihnen versagt blieb. Auch dem Himmel größere Diener als dieser. Was macht ihn also zu einem, dem der Himmel gehorcht, wenn nicht – Zauberei?“

Ich fand diese Gedankengänge schon immer äußerst interessant und habe mich deshalb intensiver mit der Wirkung von musikalisch unterschiedlichen Werken auf magische Vorgänge befasst. Ziel ist hier aber nicht, einzelne Werke zu benennen, ich kann mir aber vorstellen, das an anderer Stelle irgendwann noch einmal separat aufzugreifen (welche Musikstücke bewirken was usw.).

In o. g. Ausnahmefällen wurde also offenbar davon ausgegangen, dass nur seine persönliche Macht es dem Schöpfer eines Meisterwerks erlaubt, dass Geister ihm schenken, was andere vergeblich begehren. Denn den Zugang zu den höchsten Mächten – so war es schon immer – muss man sich erringen, weil das „Geheimnis“ sich ewig allein durch sich selbst schützt. Einem Sterblichen kann es – bei Gott! – nicht gelingen, das Himmelreich und seine Geister zu schauen, wenn er nicht mit dem Teufel selbst einen Bund geschlossen hat – so eine damals weitläufige Meinung.

Das Hinzuziehen von Musik (sakral, episch, meditativ etc., wichtig ist hier nur die Kraft und Stärke, die den Geist des Anwenders über die irdischen Begrenzungen hebt) kann für praktisch arbeitende Magier von größter Bedeutung sein. Musik durchdringt u. U. Welten, je größer und bekannter das Meisterwerk, desto größer die Reichweite. Große universelle Werke werden – so berichten es schon Universalgelehrte der letzten Jahrhundert – bis in die höchsten Himmel vernommen und zwar über die Art wie diese unsere uns umgebenden Körper verändert. Je nach Musik und die dadurch herbei gerufenen Empfindungen, die uns nicht zufällig, sondern beabsichtigt *über-kommen*, können wir durch Auswahl des passenden Stücks oder Werks auf erstaunliche Art andere Möglichkeiten in unser Leben ziehen (vergleiche hierzu auch das hier vor einiger Zeit schon einmal näher betrachtete Kapitel über Zaubergesänge). Das gleiche Prinzip kennen wir vom sogenannten Mond herunter singen, Regen singen, Geister durch Gesänge ermächtigen, die Macht der Worte, „Gutes“ oder „Böses“ beschwören. Wir müssen dieses Prinzip nur verstehen lernen.

Durch seine Rituale bringt sich der Magier/die Hexe/der Schamane in eine Stimmung, die sein Unterbewusstsein – das eigentliche Machtzentrum des Menschen – beeinflusst, es auf die neue Realität einstimmt und diese gleichzeitig in seinem Lebensplan fixiert, d. h. er schafft sich selbst eine neue Tatsache, von der er will, dass sie sich in seinem Leben manifestiert.

Die jeweilige Stimmung beinhaltet die Grund-Essenz der neuen/anderen Realität (z. B. Wut, Trauer, Euphorie, Liebe, Hass, Freude, Schöpfung, Vernichtung). Richtlinie ist hier – wie im Grunde überall in der okkulten Lehre – die Willenskraft, hervorgerufen durch bestimmte Emotionen, die man zum Zweck der magischen Arbeit auch „künstlich“ herbeiführen kann. Es ist entgegen der Überzeugung vieler esoterischer Strömungen, die sich oft auf etwas berufen, das sie selbst im Kern nie erforscht oder erfahren haben, kein Widerspruch, dass ein hohes Maß an Wut etwas Großes, Neues oder gar Gigantisches im Leben bewirken kann, einen längst fälligen Wandel, die Absprengung von schädlichen Einflüssen, eine ehem. Unwahrscheinlichkeit usw.

Es ist immer noch besser, aus der brennenden Kraft der Wut (einer extrem starken Kraft) heraus Neues zu erschaffen als ein halbherziges Gebet in den Äther zu kippen, weil es gerade „ganz nett“ wäre, wenn dieser oder jener Umstand eintreffen würde, es aber auch keine Rolle spielt, wenn nichts passiert, weil man eh nicht damit rechnet…

Wenn die Stimmung nicht „brennt“, für den Anwender nicht unhaltbar, kaum zu ertragen wird, weil sie aus ihm herausbrechen will (ich hörte „manchen“ dazu von der im Menschen wohnenden, aber in der Regel unterdrückten, weil manchmal zerstörerischen „Drachenenergie“ sprechen – dem einen oder anderen wird dieser Hinweis für eigene Forschungen in diese Richtung evtl. nützlich sein), dann bewirkt sie auch nichts.

Wer keinen Drachen oder Vulkan in sich und aus sich heraus gebären lassen kann, kann nichts deutliches, reales, sichtbares, brennendes, verwirklichtes und auch „undenkbares“ hervorbringen, da seine Flamme nur schwach brennt und beim kleinsten Windhauch erlischt.

Was bleibt ist seine Sehnsucht, da er den Hauch der Ewigkeit bereits geatmet, aber nicht in sein Leben „herunterbringen“ konnte. Eine kleine Narbe, eine schwache Erinnerung im Raum, die nie ganz verhallt, weil sie einmal Möglichkeit, aber niemals wahrscheinlich war, da für das „Leben“ zu schwach.

Dabei hast Du nur zu wenig gebrannt, als dass Dein Feuer andere Dimensionen hätte erreichen können.

Das gilt übrigens auch für die anderen Elemente unserer Welt: Erde, Wasser und Luft. Die größtmögliche Kraft der Erde äußert sich bekanntlich in der Gewalt eines gigantischen Erdrutsches, einem gewaltigen Erdbeben, also dem Versinken Deines alten Paradigmas in der aufbrechenden Erde. Beim Thema Luft wäre es z. B. die Kraft eines Wirbelsturms. Diese befähigt ihn zum Wirken von Taten, die über das „magische Mittelmaß“ herausragen können.

Es ist der Umgang mit dem entfesselten Chaos, das Betrachtern und Nicht-Okkultisten (aber auch durchaus Magie-Kundigen) gewöhnlich Angst macht. Dabei erfordert diese Arbeit in der Regel „nur“ ein hohes Maß an Disziplin und Konzentrationsvermögen, das nicht so unmöglich zu erreichen ist, wie es manche vermuten.

Der Mensch vereint – zumeist unwissentlich – alle diese elementaren Kräfte in sich, fühlt sich gemäß seiner Persönlichkeit aber häufig zu einer oder zwei Kräften mehr hingezogen als zu den anderen. Diese Hinwendung ist mit seinem Schicksal verknüpft (was sich auch in seinem Geburtshoroskop äußert) und hier liegt der Schlüssel zur Lenkung seines Schicksals. Er ermächtigt ihn, gleichzeitig fürchtet der um seine Macht Wissende, wenn er noch nicht lange mit diesen Kräften arbeitet, die Folgen seines eigenen Handelns. Daher wird es wichtig, dass er lernt, seine Möglichkeiten genau kennenzulernen, seine Kräfte richtig einzuschätzen und auf die Suche nach Antworten auf die Fragen „Ist dieses Ziel die Entfesselung des Feuers wert?“ (Er muss nämlich auch immer mit seinen Kräften haushalten und wird nichts Überflüssiges angehen, weil ihn die hohe Konzentration und die Vitalkräfte, die er aufbringen muss, für eine Zeit lang selbst körperlich und geistig schwächen kann).

Welches Ziel benötigt welche Stimmung, damit die das Chaos gebärende Kraft einer Art kosmischen Urschreis gleicht, der alle Schichten des Seins bis zum Urgrund durchdringt? Der nicht „überhört“ werden kann, der auch den formgebenden Geistern nicht entgeht, weil er ohne Zweifel, absolut und willensstark ist.

Nach dieser Stimmung wird der Magier/die Hexe/der Schamane seine Musik auswählen, sich zurückziehen und sich diesem Werk hingeben, z. B. in einer Meditation oder einem mentalen Ritual, bei dem das Lied, die CD oder das musikalische Werk immer wieder abgespielt wird bis sich nach einiger Zeit der Übung vor dem inneren Auge die zugehörigen Bilder (=Was will ich bewirken?) verselbständigen,

Es ist wichtig, dass man diese Form der Visualisierung übt, wenn man Erfolge haben will.

Nach einiger Zeit spielt sich, wenn das Übungsziel erreicht ist, vor dem inneren Auge ein zusammenhängender „Film“ mit dem Inhalt des neuen Paradigmas ab, Du wirst in diesen Sitzungen dann vom Lenker zum Beobachter, Dein Unbewusstsein weiß nämlich, was Du als Ziel gesetzt hast und setzt nach einiger Zeit die Bilder nach der Musik zusammen, die einzelnen Elemente/Bilder/Szenen bleiben interessanterweise steuerbar und können bei anderen Gelegenheiten (luzides Träumen, automatisches Schreiben etc.) verwendet werden.

Über sein Unterbewusstsein aktiviert der Magier sein eigenes Feld und zwingt dadurch sowie durch sein der neuen Situation angepasstes Verhalten bestimmte Möglichkeiten durch Zugabe seiner Vitalkraft zu Wahrscheinlichkeiten zu werden, die wiederum einen Prozess durchlaufen, bis sie in der materiellen Welt „ankommen“.

Dabei ist der Magier Gefäß, Tempel, Transformationskanal und Gebärender in einem. „Durch sich selbst“ kann er alles in seinen Kosmos hinein rufen, denn nur durch sich selbst hat er die größtmögliche Macht durch Kraft, Willens-, Wirk- und „Wegerecht“. Hier bestimmt er, was kein anderer für ihn in der Form bestimmen kann.

Nur durch die Übung an sich selbst lernt er seine wahren Möglichkeiten und Grenzen seiner okkulten Kräfte verstehen, was ihm dabei hilft, grundsätzlich auch andere Realitäten für andere zu bewirken. Auch wenn hierbei leicht abgewandelte Kriterien zu erfüllen sind.
Aber dazu vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Kapitel mehr.

Anthera


Copyright © Anthera / Anthera-Verlag



Donnerstag, 22. Oktober 2009

~ Seidhr – Urform der europäischen Magie ~

 

Autor: Anthera

Die Seidhr-(nordisch: Seiðr)-Magie ist eine uralte magische Technik der indoeuropäischen Völker. Sie wurde nach dem spirituellen Kosmos der damaligen Kulturen den Menschen vom Göttergeschlecht der Vanen beigebracht. In der Überlieferung waren es häufig (aber nicht ausschließlich) weibliche Mitglieder der nordischen Völkergruppen, die sich mit Seidhr-Magie beschäftigten. Sie ist nur noch fragmentarisch überliefert und erfordert daher ein hohes Maß an Eigeninitiative, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Seidhr anhand der noch erhaltenden Bruchstücke wahrscheinlich angewendet wurde.
Die lenkende Macht des Seidhr ist die Vorstellung der Kraft aus sich selbst heraus, d. h. diese uralte Form der Zauberei kommt im Kern ohne äußerlich anzuwendende Hilfsmittel aus. Sie bedient sich der eigenen Kraft unter Zuhilfenahme der 4 Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde.
Um Prozesse zu beleben, zu beschleunigen, um zunächst unbeseelte (tote) Dinge mit Leben zu füllen, neue Lebensformen zu erschaffen oder sich mit den unsichtbaren Welten zu verbinden wurden Gegenstände, Bilder, Imaginationen, heilige Orte, Menschen, Tiere oder Haushaltsgegenstände besprochen oder je nach Intensität und Zweck auch besungen. Die Wirkung lag dabei in der „richtigen“ Intonation. Der Gegenstand wurde durch Gesang beim „Namen“ genannt, Namen nicht als Folge von Buchstaben gemeint, sondern als Verkettung verschiedener „Essenzen“ (einzelner Buchstaben) zu einem harmonischen Ganzen.
Durch die Stimme des Seidhr-Magiers wird der zu besingende Gegenstand zu einer u. U. neuen, ätherischen Gestalt gebracht, d. h. man kann die Schwingung je nach gewünschtem Resultat erhöhen oder reduzieren, um bestimmte Wesensveränderungen oder das Herausstreichen einer Absicht zu bewirken.
Ein verlorenes Gleichgewicht kann wieder hergestellt werden, z. B. wenn ein Mensch aufgrund einer Krankheit niedrigfrequent schwingt, und zwar durch Ausgleich und Erhöhung der Frequenz im Sinne der Harmonie und des Hinwirkens auf ein in uns selbst ruhenden Heilungsvermögens. Von außen kann den Menschen nichts heilen, wenn er innerlich nicht die Weichen dafür stellt. Deshalb liegt nah, dass Heilung allein im Außen niemals möglich ist.
Die Tradition von Zaubergesängen führt uns sicherlich bis zu den prädynastischen Wurzeln menschlicher Existenz. Lange ist es kein Geheimnis mehr, dass fast überall auf der Welt Völker existierten und existieren, die zu bestimmten Zeiten oder zu bestimmten Zwecken Naturgewalten, Menschen, Tiere und Götter besangen, um sie für sich einzunehmen.
Der Seidhr-Mensch hebt die irdischen Grenzen mit dieser Technik auf, kann über höhere Selbste mit anderen Welten kommunizieren und erhält Antworten auf die Themen des alltäglichen Lebens. Seidhr ist Lebenshilfe pur und ganz direkt. Klar und schnörkellos.
Das Prinzip des Gleichklangs finden wir z. B. auch bei den Stimmgabeln wieder. Angeschlagen erzeugen sie einen bestimmten Ton und ihre Schwingung wird auf die unmittelbare Umgebung übertragen, setzt sich sogar in dieser fort. Der angeklungene Gegenstand verhält sich dann genau wie sein Klang, der vorgegeben wurde. Er klingt in A oder C, eben wie die Gabel.
Das verstanden die Indoeuropäer u. a. unter Seidhr. Das Wort ist sehr alt, sodass keine eindeutige Überlieferung der ursprünglichen Wortbedeutung überlebt hat. Als gesichert gilt der Zusammenhang mit den Vanen und der Zauberkraft, mit denen die Vanen die Asen so sehr reizten, dass es sogar zum Krieg zwischen den beiden Göttergeschlechtern kam.
Mit der Seidhr-Technik sind wir jedoch nicht nur. in der Lage, Klangkörper zu erschaffen, die sich miteinander in Harmonie befinden.
Es überrascht nicht, dass aufgrund der alten und langen Tradition des Seidhr in der Abendländischen Kultur viele Zauberformeln in Gesänge eingewebt wurden und so zu überlieferten und auch verbotenen Zaubergesängen wurden. In der jüdischen Mystik ist uns das Prinzip der Kabbala bekannt, die von der Kraft einzelner Buchstaben ausgeht, die intoniert bestimmte Kräfte beinhalten, die man für sich nutzen kann. Ein Name hat daher auch immer eine ganz bestimmte Qualität, wie weiter oben schon einmal beschrieben, ist es weniger der Namen selbst, sondern die einzelnen Buchstaben, die intoniert eine bestimmte Kraftkonzentration ausmachen. Jeder Buchstabe, jeder gesungene oder intonierte Ton bewirkt dabei einen ganz speziellen Aspekt in der materiellen Realität.
Gebete, Anrufungen, Beschwörungen, geflüsterte, gesungene oder gesprochene Formeln (bereits existierende oder für einen eigenen Zweck erschaffene) fallen unter diese Tradition. Aber auch Trance-Reisen, Divination und der Kontakt zu den Ahnen.
Das Wort oder der Buchstabe selbst hat hier die Macht, der Zaubergesang erweckt diese durch das Werkzeug Stimme zum Leben, da es von der Existenz bestimmter Kräfte ausgeht, die im „gesprochenen Wort“ (bzw. Buchstaben) inne wohnen.
Als Trancetechnik verwendet kann man über die astralen Ebenen mit der Seidhr-Technik auf die Realität einwirken. Dazu wird es notwendig, dass ein (innerer) Raum geschaffen wird, das wir uns wie ein Zimmer, das wir selbst gestalten, auf der astralen Ebene vorstellen können. Dies wird der Ausgangspunkt aller Seidhr-Aktivitäten.
Ziel dieser Raumschaffung ist zum anderen auch die Reduzierung großer, aufwendiger und manchmal nicht praktikabler Ritualabläufe auf das Wesentliche. Rituale sind gut und richtig, auch wichtig, um komplexe okkult-magische Zusammenhänge zu verstehen, sie müssen aber nicht immer zwingend sein. Die Seidhr-Leute kommen in der Regel auch ohne große Ritualistik aus, manchmal befindet man sich auch an einem Ort (z. B. im Urlaub), wo man nicht alles (oder auch mal nichts) zur Hand hat.
Bei dieser alten Technik, die ein in sich geschlossenes magisch-okkultes Weltbild ergibt, geht es primär um den Gleichklang, um die Harmonisierung, das Aussenden und Empfangen in einem, das der selben „Form wegen“ auf eine gleiche oder ähnliche Frequenz bringen ( „wie…“) oder auf die Schwingung eines Zustands, den ich (noch) erreichen will. Seidhr ist die klassische Form einer magisch-okkulten Simulation.
Das Prinzip ist metaphysisch-okkult betrachtet auch so zu beschreiben:
Wenn Du willst, dass der Frosch zu einem Wolf wird, dann behandle ihn auch ohne Zweifel als einen solchen. Nenne ihn Wolf, suggeriere ihm in allem, was Du tust und denkst, er sei ein Wolf. Und er wird nicht mehr quaken, sondern heulen…

Copyright © Anthera-Verlag / Anthera



Donnerstag, 24. September 2009

~ Rückholung von Eigentum ~

 

Autor: Anthera

Rückholung von entwendetem Eigentum

Noch vor 100 Jahren fand man diesen Brauch häufiger, in einigen ländlichen Gegenden hat er sich sogar als zumindest erzähltes Volksgut bis in die heutige Zeit erhalten: Die Rückholung von entwendetem Eigentum. In anderen Kulturen jenseits der Wegwerf- und Abschreibungsgesellschaften wird sie wie selbstverständlich weiter gepflegt.

Heute wird diese im Grunde zeitlose Technik – wenn sie überhaupt jemand thematisiert – in den modernen Metropolen und im hoch aufgeklärten Zeitalter gern belächelt und daher mitunter häufig nur noch im Verborgenen praktiziert. Sie gilt weithin als angestaubt, verklärt, und für manche über-modernen Menschen sogar als ein Relikt einer ehemals ohnmächtigen Gesellschaft, die sich nicht anders zu helfen wusste. Denn die Polizei war noch lange nicht überall und zu jeder Zeit nah, um (Ab-)Hilfe leisten zu können. Allerdings kennt jeder auch die Kehrseite der Schadens-Medaille: Diebstähle haben in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen, die Polizei ist restlos überfordert und kommt über die Aufnahme einer Schadensmeldung in der Regel nicht hinaus, wenn nicht gelegentlich der „Zufall“ mitspielt.

Aber warum sollte man dem „Zufall“ nicht zu bestimmten Zeiten oder unter gewissen Bedingungen auf die Sprünge helfen können? Nichts anderes wurde damals versucht. Und führte soger zum gewünschten Erfolg. In volkskundlichen Werken oder in Heimatmuseen findet man gelegentlich noch das eine oder andere erhaltene „Rezept“. Adaptiert in die heutige Zeit ergibt sich folgendes Bild:

Sicherlich hat irgendwann einmal jeder Mensch eine (oder sogar mehrere) Situation erlebt, in der ihm etwas entwendet wurde. Ein Fahrrad, die Geldbörse mit allen Karten und Papieren, die Handtasche, eine Armbanduhr, ein Schmuckstück usw. Wenn man den Verlust bemerkt, ist der Verursacher (der Dieb) in der Regel schon über alle Berge und man wird seitens der Polizei, der Freunde und Familie angehalten, das entwendete Eigentum abzuschreiben. An manchen Gegenständen (besonders dann, wenn es ein fahrbarer Untersatz ist) hängt man schließlich sehr und es fällt auch niemandem leicht, sofort das vielleicht nicht mehr so neue Fahrrad abzuschreiben, nur weil in Berlin am Tag 100 Fahrräder gestohlen werden, von denen die meisten natürlich nie wieder den Weg zu ihren einstigen Besitzern nehmen.

Bei der Suche nach alt überlieferten Zauberpraktiken – immer im Sinne der Re-Integration in die heutige Zeit – bin ich vor Jahren u. a. auf die Beschwörung von Diebesgut gestoßen, die schon in der Antike bekannt war.

Ist also etwas gestohlen worden, gibt es aus magischer Sicht mehrere Möglichkeiten, die man anwenden kann, um sein Eigentum zurückzubekommen. Die hier aufgezeigten 3 Möglichkeiten sind nur ein paar Beispiele. Sie werden in der Regel einzeln und je nach persönlichem Geschmack angewandt, es ist aber in der Magie nicht grundsätzlich falsch, einige Systeme miteinander zu kombinieren (dazu braucht es allerdings ein bißchen Übung und Erfahrung, nicht alles lässt sich wahllos miteinander kombinieren und kann sich unter Umständen innerhalb einer magischen Handlung sogar aufheben oder umkehren).

Folgende Möglichkeiten werden hier näher erläutert:

1. Das Eigentum zu sich zurück „rufen“
Das, was wir besitzen, ist durch sogenannte Schattenfäden mit uns verbunden. Das, was uns lange begleitet, trägt sogar unsere ganz besondere Prägung. Ein Lieblingsschmuckstück der Oma enthält daher ihre ganz eigene, persönliche Note. Je länger wir etwas besitzen und am Körper tragen, desto mehr prägen wir es. Wenn uns etwas durch einen Diebstahl entrissen wird, sind wir über unsere Schattenfäden immer noch mit dem Gegenstand verbunden. Die Stärke der Fäden richtet sich nach der Intensität, mit welcher wir an einem Stück hängen. Was uns „lieb und teuer ist“ muss bekanntlich nicht immer wirklich teuer sein, trotzdem hängen wir dran wie an einem persönlichen Schatz. Gegenstände, mit denen wir starke Emotionen verbinden, besitzen bei einem Verlust in der Regel mehr Eigendynamik als Dinge, die wir kaum beachtet haben und deren Verlust uns daher auch nicht sonderlich schmerzt.

In der Praxis kann das Zurückrufen zum Beispiel so aussehen:

Verbinde Dich in einem Ritual mit Deinem Gegenstand, stelle Dir diesen Gegenstand so intensiv vor wie möglich. Berühre die Stelle, an welcher der Gegenstand lag oder an der Du ihn getragen hast (z. B. eine Uhr, ein Schmuckstück etc.). Rufe den Gegenstand, stelle die Verbindung über die Schattenfäden her und beschwöre ihn inständig, zu Dir zurück zu kehren.

Du kannst bei der Gelegenheit übrigens auch einmal schauen, ob Du eine Ahnung davon kriegst, wo sich Dein gestohlener Gegenstand möglicherweise befindet. Er ist ja – wie oben beschrieben – durch Schattenfäden an Dich gebunden, an denen Du Dich entlang hangeln kannst. Im besten Fall bekommst Du einen Impuls (am Anfang noch recht schwach, aber mit ein bißchen Übung lässt sich die Intensität dieser Impulse steigern), ob sich der Gegenstand noch im Besitz des Entwenders befindet, ob er ihn bei sich trägt, ob er irgendwo in einer Kiste oder Schublade liegt, ob er versteckt, vergraben oder versenkt wurde oder offen getragen wird. Manchmal besteht dort nämlich noch die Möglichkeit des direkten Eingreifens Deinerseits (indem Du Deine Aufmerksamkeit z. B. darauf richtest, daß jemand im Umfeld des Verursachers mißtrauisch wird, z. B. wenn er versucht, Deine Uhr an jemanden zu verkaufen oder zu verschenken. Oder daß z. B. die Freundin oder Mutter des Diebes auf die „neue“ Uhr aufmerksam wird, nachfragt und ihn somit zumindest für eine kurze Zeit aus dem Konzept reißt.

Auch wäre es möglich, sich hier einmal die Schattenfäden anzuschauen, die jeder hinterlässt, der einen Gegenstand berührt (und damit eine Absicht verbindet – wie hier). Er hat sich schließlich unbefugterweise mit Deinem Gegenstand verbunden. Über Deine Verbindung zu Deiner Uhr könntest Du – bei entsprechender Übung – also auch ein paar Hinweise auf den Entwender bekommen. Diese Methode ist in der Tat nicht so ganz einfach und bedarf einer Schärfung der Intuition, d. h. je öfter Du die Psychometrie auch zu anderen Anlässen spielerisch probierst, umso besser wird Dein Gespür, wenn Du diese Schattenfäden „abtastest“. Beginne vielleicht mit der „Schau“, ob der Dieb aus Deinem Umfeld stammt oder nicht. Stammt er aus Deinem Umfeld, so kannst Du das u. U. an den Emotionen und Gedankenmustern erkennen, die nun zusätzlich an Deiner Uhr haften. Das wäre z. B. die Angst vor der Entdeckung, das schlechte Gewissen, möglicherweise ein Gefühl von „Denkzettel“ Dir gegenüber, Neid oder ähnliches. Die Gedanken haften an der Ursache, also der Uhr, und mit dieser bist Du nach wie vor verbunden.

Ist allerdings eine längere Frist verstrichen, so solltest Du die Uhr aber dennoch abhaken, denn es wäre immerhin gut möglich, dass sie sich irgendwann nicht mehr im Besitz des Diebes befindet oder nicht mehr zu Dir zurückfinden kann, weil sie nicht mit Dir in Verbindung gebracht werden kann oder einfach unwiederbringlich verloren ist (weil sie vielleicht inzwischen in einen See geworfen wurde). Opfere sie nachträglich als Geschenk an die Götter.

2. Belege den Verursacher (Dieb) mit einer Bannung

Die Bannung bedeutet hier in der Regel das Besprechen oder Beschwören. In alten Büchern liest man häufig von einem Hühnerei, das über einem offenen Feuer oder in heißem Wasserdampf erhitzt wird. Dabei wird analog visualisiert und aufgesagt, daß ab diesem Moment auch der Verursacher mit Hitze dazu gebracht wird, den gestohlenen Gegenstand (z. B. das Fahrrad) zumindest an den Ursprungsort zurück zu bringen. Eine weitere Möglichkeit des Besprechens unter Zugabe von Feuer oder Hitze könnte ein alter Kohlenofen, ein offenes Feuer oder ein Kamin sein, in welchen unter Aufsagen der Bedingung (also die Aufforderung zur Herausgabe des Eigentums) hintereinander einige Holzscheite aufgelegt werden, die mit der Kraft der Elemente auf den Verursacher übergehen.

Solche Analogiezauber kann man nun 3mal oder 3 Tage am Stück wiederholen (nach Bedarf auch länger, die 3 bildet in der Magie keine festgeschriebene Einheit). Eine andere Möglichkeit zur Bannung wäre – wie weiter oben beschrieben – das Einfrieren. Damit wird der Verursacher in seiner weiteren Handlungsweise gelähmt, d. h. wird bewegungsunfähig. Ob bzw. in welchem Ausmaß dies mit körperlichen Beschwerden einhergeht, muss dem Universum überlassen bleiben. Wer hier Einschnitte vornimmt oder Wege „diktiert“, beschneidet sein eigenes Ziel. Denn die Wege, die zum Ziel führen sind vielfältig und sollten daher nach Möglichkeit nicht ausdrücklich vorgegeben werden.

3. Einbindung einer unsichtbaren Wesenheit

Das Geistermodell des Okkultismus speist sich aus der Essenz schamanischer Kulturen. Der Schamanismus ist die älteste Form spiritueller Arbeit in der Welt. Mit Geistern wurde zu jeder Zeit in jeder Kultur der Erde kommuniziert. Von den ersten Menschen bis in die heutige Zeit. Vieles ist dazu in den letzten Jahrtausenden festgehalten worden, wir kennen die Totenbücher großer Kulturen und schauen auf das schamanische Erbe der Menschheit zurück. In Sibirien, Afrika aber auch in Europa finden wir Spuren archaischer Schamanen-Kulte. Geister und Menschen scheinen also mindestens durch ihr gemeinsames Schicksal untrennbar miteinander verwebt zu sein.

Um entwendete (oder auch verlorene) Gegenstände zurück zu erhalten, kann der Mensch sich also jederzeit mit „unsichtbaren Helfern“ verbinden. Diese werden in einem Ritual in einem Raum (oder Kreis) gerufen, in welchem Du sie bitten kannst, Dein Eigentum zu Dir zurück zu bringen. Um Deine Willensbekundung abzugeben, sollte eine Opfergabe als Pfand erfolgen.

Diese Wesenheit kann natürlich ein Engel, Gott, ein Naturgeist etc. sein. Wenn der gestohlene Gegenstand von einem Ahnen stammt, dann kann man natürlich auch diesen zu Rate ziehen und ihn bitten, aus geistiger Ebene dafür zu sorgen, dass das Erbstück wieder zu Dir zurück findet, Solche Delikte haben nicht selten einen interessanten Ausgang und finden ihre Besitzer offenbar „leichter“ wieder als anderes Eigentum.

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