Autor: Anthera
Die Seidhr-(nordisch: Seiðr)-Magie ist eine uralte magische Technik der indoeuropäischen Völker. Sie wurde nach dem spirituellen Kosmos der damaligen Kulturen den Menschen vom Göttergeschlecht der Vanen beigebracht. In der Überlieferung waren es häufig (aber nicht ausschließlich) weibliche Mitglieder der nordischen Völkergruppen, die sich mit Seidhr-Magie beschäftigten. Sie ist nur noch fragmentarisch überliefert und erfordert daher ein hohes Maß an Eigeninitiative, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Seidhr anhand der noch erhaltenden Bruchstücke wahrscheinlich angewendet wurde.
Die lenkende Macht des Seidhr ist die Vorstellung der Kraft aus sich selbst heraus, d. h. diese uralte Form der Zauberei kommt im Kern ohne äußerlich anzuwendende Hilfsmittel aus. Sie bedient sich der eigenen Kraft unter Zuhilfenahme der 4 Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde.
Um Prozesse zu beleben, zu beschleunigen, um zunächst unbeseelte (tote) Dinge mit Leben zu füllen, neue Lebensformen zu erschaffen oder sich mit den unsichtbaren Welten zu verbinden wurden Gegenstände, Bilder, Imaginationen, heilige Orte, Menschen, Tiere oder Haushaltsgegenstände besprochen oder je nach Intensität und Zweck auch besungen. Die Wirkung lag dabei in der „richtigen“ Intonation. Der Gegenstand wurde durch Gesang beim „Namen“ genannt, Namen nicht als Folge von Buchstaben gemeint, sondern als Verkettung verschiedener „Essenzen“ (einzelner Buchstaben) zu einem harmonischen Ganzen.
Durch die Stimme des Seidhr-Magiers wird der zu besingende Gegenstand zu einer u. U. neuen, ätherischen Gestalt gebracht, d. h. man kann die Schwingung je nach gewünschtem Resultat erhöhen oder reduzieren, um bestimmte Wesensveränderungen oder das Herausstreichen einer Absicht zu bewirken.
Ein verlorenes Gleichgewicht kann wieder hergestellt werden, z. B. wenn ein Mensch aufgrund einer Krankheit niedrigfrequent schwingt, und zwar durch Ausgleich und Erhöhung der Frequenz im Sinne der Harmonie und des Hinwirkens auf ein in uns selbst ruhenden Heilungsvermögens. Von außen kann den Menschen nichts heilen, wenn er innerlich nicht die Weichen dafür stellt. Deshalb liegt nah, dass Heilung allein im Außen niemals möglich ist.
Die Tradition von Zaubergesängen führt uns sicherlich bis zu den prädynastischen Wurzeln menschlicher Existenz. Lange ist es kein Geheimnis mehr, dass fast überall auf der Welt Völker existierten und existieren, die zu bestimmten Zeiten oder zu bestimmten Zwecken Naturgewalten, Menschen, Tiere und Götter besangen, um sie für sich einzunehmen.
Der Seidhr-Mensch hebt die irdischen Grenzen mit dieser Technik auf, kann über höhere Selbste mit anderen Welten kommunizieren und erhält Antworten auf die Themen des alltäglichen Lebens. Seidhr ist Lebenshilfe pur und ganz direkt. Klar und schnörkellos.
Das Prinzip des Gleichklangs finden wir z. B. auch bei den Stimmgabeln wieder. Angeschlagen erzeugen sie einen bestimmten Ton und ihre Schwingung wird auf die unmittelbare Umgebung übertragen, setzt sich sogar in dieser fort. Der angeklungene Gegenstand verhält sich dann genau wie sein Klang, der vorgegeben wurde. Er klingt in A oder C, eben wie die Gabel.
Das verstanden die Indoeuropäer u. a. unter Seidhr. Das Wort ist sehr alt, sodass keine eindeutige Überlieferung der ursprünglichen Wortbedeutung überlebt hat. Als gesichert gilt der Zusammenhang mit den Vanen und der Zauberkraft, mit denen die Vanen die Asen so sehr reizten, dass es sogar zum Krieg zwischen den beiden Göttergeschlechtern kam.
Mit der Seidhr-Technik sind wir jedoch nicht nur. in der Lage, Klangkörper zu erschaffen, die sich miteinander in Harmonie befinden.
Es überrascht nicht, dass aufgrund der alten und langen Tradition des Seidhr in der Abendländischen Kultur viele Zauberformeln in Gesänge eingewebt wurden und so zu überlieferten und auch verbotenen Zaubergesängen wurden. In der jüdischen Mystik ist uns das Prinzip der Kabbala bekannt, die von der Kraft einzelner Buchstaben ausgeht, die intoniert bestimmte Kräfte beinhalten, die man für sich nutzen kann. Ein Name hat daher auch immer eine ganz bestimmte Qualität, wie weiter oben schon einmal beschrieben, ist es weniger der Namen selbst, sondern die einzelnen Buchstaben, die intoniert eine bestimmte Kraftkonzentration ausmachen. Jeder Buchstabe, jeder gesungene oder intonierte Ton bewirkt dabei einen ganz speziellen Aspekt in der materiellen Realität.
Gebete, Anrufungen, Beschwörungen, geflüsterte, gesungene oder gesprochene Formeln (bereits existierende oder für einen eigenen Zweck erschaffene) fallen unter diese Tradition. Aber auch Trance-Reisen, Divination und der Kontakt zu den Ahnen.
Das Wort oder der Buchstabe selbst hat hier die Macht, der Zaubergesang erweckt diese durch das Werkzeug Stimme zum Leben, da es von der Existenz bestimmter Kräfte ausgeht, die im „gesprochenen Wort“ (bzw. Buchstaben) inne wohnen.
Als Trancetechnik verwendet kann man über die astralen Ebenen mit der Seidhr-Technik auf die Realität einwirken. Dazu wird es notwendig, dass ein (innerer) Raum geschaffen wird, das wir uns wie ein Zimmer, das wir selbst gestalten, auf der astralen Ebene vorstellen können. Dies wird der Ausgangspunkt aller Seidhr-Aktivitäten.
Ziel dieser Raumschaffung ist zum anderen auch die Reduzierung großer, aufwendiger und manchmal nicht praktikabler Ritualabläufe auf das Wesentliche. Rituale sind gut und richtig, auch wichtig, um komplexe okkult-magische Zusammenhänge zu verstehen, sie müssen aber nicht immer zwingend sein. Die Seidhr-Leute kommen in der Regel auch ohne große Ritualistik aus, manchmal befindet man sich auch an einem Ort (z. B. im Urlaub), wo man nicht alles (oder auch mal nichts) zur Hand hat.
Bei dieser alten Technik, die ein in sich geschlossenes magisch-okkultes Weltbild ergibt, geht es primär um den Gleichklang, um die Harmonisierung, das Aussenden und Empfangen in einem, das der selben „Form wegen“ auf eine gleiche oder ähnliche Frequenz bringen ( „wie…“) oder auf die Schwingung eines Zustands, den ich (noch) erreichen will. Seidhr ist die klassische Form einer magisch-okkulten Simulation.
Das Prinzip ist metaphysisch-okkult betrachtet auch so zu beschreiben:
Wenn Du willst, dass der Frosch zu einem Wolf wird, dann behandle ihn auch ohne Zweifel als einen solchen. Nenne ihn Wolf, suggeriere ihm in allem, was Du tust und denkst, er sei ein Wolf. Und er wird nicht mehr quaken, sondern heulen…
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Donnerstag, 22. Oktober 2009
~ Seidhr – Urform der europäischen Magie ~
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Donnerstag, 30. Juli 2009
~ Von Geistern & Menschen ~
Autor: Anthera
- Wir werden uns verbünden müssen, um zu trotzen den Widerern.
Zum Fall der Masken gezwungen windet sich, was einst überragte den Menschen und ihre Geister. Erheben werdet Ihr Euch- oder in Eurer Mörder Öfen jammern.
- „Ein König, der mit Geistern sprach.“-
(per Diktat im August 2008)
Vor mehreren Jahren versprach ich einem uralten Seher in Vorarlberg (Österreich), an einem Tag in der Zukunft über „das kleine Volk“ zu schreiben. Dabei hatte ich damals überhaupt keine Vorstellung davon, in welchem Rahmen in dies tun würde. Und ich verließ den Alten einerseits nachdenklich, andererseits ein wenig ratlos, wusste ich doch nicht, ob ich das Versprechen überhaupt halten konnte. Aber ich schwor mir, es in Anbetracht dessen, was dieser Tag an dies- und jenseitigen Tönen offenbarte, in jedem Fall zu halten.
Ich saß also an jenem heißen Juli-Tag mit dem medialen Visionär auf der Bank vor seinem Haus, bei Erdbeeren und Erdbeerlikör. Ich suchte ihn ursprünglich auf, um mit ihm über Erzengel Gabriel zu sprechen. Einige seiner Kunstwerke, die ich einige Tage zuvor in einer Ausstellung sah, zeigten den Engel als einen offenbar wichtigen Teil in seinem Leben. Gabriel behandelten wir allerdings nur kurz, ich wüsste wahrscheinlich eh mehr über ihn als er, sagte der alte Mann und es wäre interessant zu sehen, dass ich ihm ähnlich sei, während er mich seltsam abwesend musterte, und mir war sofort, als hätte „unser“ Gabriel – der Engel der Offenbarung – an diesem Tag andere Pläne.
Denn das „kleine Volk“, wie der weise Alte die Naturgeister nannte, war an diesem Nachmittag seltsam präsent. Und in seinem Garten waren sie auch tatsächlich unübersehbar: Bäume mit Gesichtern, die der Künstler während seines Lebens als deren Seelen herausstellte, wohin das Auge blickte. Kleine bewohnte Astlöcher und herumstehende echte und nachgebildete Pilze, wie aus einem Kinderbuch aus längst vergangener Zeit, tauchten überall aus den üppigen Büschen, Bäumen und Pflanzentöpfen auf. Ich hatte den Eindruck einer in einem Märchenwald Verirrten, der an jeder Ecke das Rotkäppchen begegnen musste.
Die „Kleinen“ so heißt es in der Volkskunde aller Kulturen, hatten schon immer mehr Einfluss auf die Geschicke der Erde, als der Mensch glaubt. Er wähnt sich ihnen nur überlegen und schaut deshalb lieber hinauf zu den Fürstenvölkern des Himmels. Die kleinen Diener der Erde, die so klein nicht sind, wenn wir uns bewusst drüber werden, was sie über die Jahrhunderte für Natur und Mensch tun, nimmt er wegen der großen Genien, nach denen er strebt, meist gar nicht wahr.
Der Mensch hat sich mit dem Fortschritt der Moderne zunehmend von den Geistern der Natur abgewendet, woraufhin sich das „kleine Volk“ zum Teil beleidigt zurückzogen hat und manches mal noch den einen oder anderen Menschen in Bedrängnis brachte, der sich tölpelhaft und ungestüm ihrer Reiche näherte. In früheren Zeiten wagte man es nicht, die Berge zu erklimmen ohne ein Gastgeschenk oder eine Opfergabe an die Geister des Ortes mitzubringen. Heute beklagt man den verirrten Wanderer, der unachtsam in eine Felsspalte rutschte und das Tal nur noch als Toter oder ewig Vermisster erreichte. Wer weiß, welche Erfahrungen sich dem Gipfelstürmer erschließen würden, wäre er etwas sensibler und würde von vornherein ein kleines Gastgeschenk in seinem Rucksack verstauen.
Unsere Urväter und -mütter wussten, wie man mit den Wesen der Natur umzugehen hatte. Sie waren integraler Bestandteil ihres Alltags. Das schamanisch-indoeuropäische Erbe ist in unseren Genen seit Jahrtausenden verankert. Hier überdauerte es interessanterweise alle lichten, aber auch alle dunklen Zeitalter.
Als Sehnsucht spürbar, als Flamme der Leidenschaft im Herzen behütet, steigen sie nun schon seit einigen Jahren aus den Tiefen unserer eigenen Geschichte herauf – und lassen uns in ihrer Gegenwart erschüttert feststellen, dass wir Demut, Ehrfurcht und brennende Herzen zwar über Jahrtausende aus unserer sichtbaren Welt verbannt haben, dass diese archaischen Tugenden aber die wahre Macht der Unsterblichkeit unserer Seelen besitzen. Und die Schlüssel zu unserem wahren Selbst sind.
Viele Namen kannten die Ahnen für die Mittler zwischen den Welten, die da so und ähnlich lauteten: Schattentänzer, Seelenschmiede, Geisterseher. Sie und andere wesentliche Charaktere der menschlichen Ur-Sippe lösen sich mehr und mehr aus den Verstrickungen der heutigen Zeit heraus und finden selbstständig in diesen und in den nächsten Jahren zu ihrer Bestimmung. Sie klingen bereits wie Windspiele durch den Äther, noch an vielen Orten übertönt vom Lärm der modernen Welt.
Mit der Fähigkeit, unterschiedliche Wesensformen wahrzunehmen, hauchen die schamanischen Erben den Wesen des „kleinen Volkes“ ihren Atem ein, um diese über ein vielfaches über sich hinauswachsen zu lassen. Der Segen des Menschen ist schon immer an den Segen der Natur gebunden. Die ausdrückliche Ermächtigung durch den Menschen lässt das „kleine Volk“ ihre „Klang“-Farbe und Form verändern, sie erfahren Beförderung und Einwilligung, die Einladung, im Sinne der Natur und für Schöpfung und Erhalt zu handeln.
Zum kleinen Volk gehören natürlich die Wesen der Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft. Das fünfte Element, der universelle Geist, das Alles-Verbindende, betrifft alle Dolmetscher der Dimensionen, die Diplomaten, die Reisenden, die Sehenden, Hörenden und Fühlenden. Der Geist ist es, der Ideen und ihre Werdung in den jeweiligen Welten schafft und zu ihrer Vollendung führt.
Und hier schließt sich der Kreis zum schamanischen Weltbild unserer Ahnen, die bei ihrer Suche nach einer neuen Heimat ihre Götter und Kulte mit in die unwirtlichen Gegenden unserer zum Teil großen, dunklen Wald- und Sumpfgebiete mitbrachten. Bemerkenswert sind trotz der vielen Clans und Sippen, die sich einst auf den Weg machten, ihre religiösen und kulturellen Gemeinsamkeiten. Unsere Ahnen lebten in Familienverbänden und hatten fast einen einheitlichen Götterglauben mit nahezu gleichen Ritualen, Kultplätzen und Grabanlagen. Der mythologische Kosmos unserer Ahnen scheint daher einer einheitlichen, gemeinsamen Quelle zu entspringen. Vielleicht einer spirituell-religiösen Ur-Form, die schon zur Zeit der menschlichen Einheitssprache existierte und die mit dem Aufbruch der Völker in alle Winde zerstreut, aber dennoch erhalten wurde. Etwas, das Sprache und sonstige Merkmale der Völkerwanderungen übrigens in dem Maße nicht vermochten.
Indem wir uns wieder dem geistigen Kosmos unserer Ahnen zuwenden, treten wir in Kontakt mit den uns umgebenden Welten. Wir ehren ihre und unsere eigene Geschichte, unsere Wurzeln und die Menschen, die über Jahrtausende unseren Weg durch Liebe und Leid, Fülle und Kargheit bereitet haben.
Die nächsten Monate verbrachte ich damit, mein Augemerk auf eine übergreifende Verbindung zwischen den verschiedenen Dimensionen zu richten. Für jedes Anliegen in der irdischen Welt, gibt es eine Entsprechung und eine Zuständigkeit in der geistigen Welt. Die Vereinigung und die Wechselwirkung zwischen der sichtbaren und den unsichtbaren Welten stellt ein großes Potential dar, das aus unserem Gesichtsfeld verschwand. Wir wissen zwar, dass auch unsichtbare Einflüsse unsere sichtbare Welt ständig durchwirken, getrauen uns aber häufig nicht, diese ganz bewusst und nachhaltig in unser Schicksal mit einzubeziehen. Über das animistische Weltbild unserer Vorfahren zu einem praktikablen Modell der heutigen Zeit:
Die Ahnen sind wieder einmal in der Gegenwart angekommen.
Anthera, im Juli 2009
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- Wir werden uns verbünden müssen, um zu trotzen den Widerern.
Zum Fall der Masken gezwungen windet sich, was einst überragte den Menschen und ihre Geister. Erheben werdet Ihr Euch- oder in Eurer Mörder Öfen jammern.
- „Ein König, der mit Geistern sprach.“-
(per Diktat im August 2008)
Vor mehreren Jahren versprach ich einem uralten Seher in Vorarlberg (Österreich), an einem Tag in der Zukunft über „das kleine Volk“ zu schreiben. Dabei hatte ich damals überhaupt keine Vorstellung davon, in welchem Rahmen in dies tun würde. Und ich verließ den Alten einerseits nachdenklich, andererseits ein wenig ratlos, wusste ich doch nicht, ob ich das Versprechen überhaupt halten konnte. Aber ich schwor mir, es in Anbetracht dessen, was dieser Tag an dies- und jenseitigen Tönen offenbarte, in jedem Fall zu halten.
Ich saß also an jenem heißen Juli-Tag mit dem medialen Visionär auf der Bank vor seinem Haus, bei Erdbeeren und Erdbeerlikör. Ich suchte ihn ursprünglich auf, um mit ihm über Erzengel Gabriel zu sprechen. Einige seiner Kunstwerke, die ich einige Tage zuvor in einer Ausstellung sah, zeigten den Engel als einen offenbar wichtigen Teil in seinem Leben. Gabriel behandelten wir allerdings nur kurz, ich wüsste wahrscheinlich eh mehr über ihn als er, sagte der alte Mann und es wäre interessant zu sehen, dass ich ihm ähnlich sei, während er mich seltsam abwesend musterte, und mir war sofort, als hätte „unser“ Gabriel – der Engel der Offenbarung – an diesem Tag andere Pläne.
Denn das „kleine Volk“, wie der weise Alte die Naturgeister nannte, war an diesem Nachmittag seltsam präsent. Und in seinem Garten waren sie auch tatsächlich unübersehbar: Bäume mit Gesichtern, die der Künstler während seines Lebens als deren Seelen herausstellte, wohin das Auge blickte. Kleine bewohnte Astlöcher und herumstehende echte und nachgebildete Pilze, wie aus einem Kinderbuch aus längst vergangener Zeit, tauchten überall aus den üppigen Büschen, Bäumen und Pflanzentöpfen auf. Ich hatte den Eindruck einer in einem Märchenwald Verirrten, der an jeder Ecke das Rotkäppchen begegnen musste.
Die „Kleinen“ so heißt es in der Volkskunde aller Kulturen, hatten schon immer mehr Einfluss auf die Geschicke der Erde, als der Mensch glaubt. Er wähnt sich ihnen nur überlegen und schaut deshalb lieber hinauf zu den Fürstenvölkern des Himmels. Die kleinen Diener der Erde, die so klein nicht sind, wenn wir uns bewusst drüber werden, was sie über die Jahrhunderte für Natur und Mensch tun, nimmt er wegen der großen Genien, nach denen er strebt, meist gar nicht wahr.
Der Mensch hat sich mit dem Fortschritt der Moderne zunehmend von den Geistern der Natur abgewendet, woraufhin sich das „kleine Volk“ zum Teil beleidigt zurückzogen hat und manches mal noch den einen oder anderen Menschen in Bedrängnis brachte, der sich tölpelhaft und ungestüm ihrer Reiche näherte. In früheren Zeiten wagte man es nicht, die Berge zu erklimmen ohne ein Gastgeschenk oder eine Opfergabe an die Geister des Ortes mitzubringen. Heute beklagt man den verirrten Wanderer, der unachtsam in eine Felsspalte rutschte und das Tal nur noch als Toter oder ewig Vermisster erreichte. Wer weiß, welche Erfahrungen sich dem Gipfelstürmer erschließen würden, wäre er etwas sensibler und würde von vornherein ein kleines Gastgeschenk in seinem Rucksack verstauen.
Unsere Urväter und -mütter wussten, wie man mit den Wesen der Natur umzugehen hatte. Sie waren integraler Bestandteil ihres Alltags. Das schamanisch-indoeuropäische Erbe ist in unseren Genen seit Jahrtausenden verankert. Hier überdauerte es interessanterweise alle lichten, aber auch alle dunklen Zeitalter.
Als Sehnsucht spürbar, als Flamme der Leidenschaft im Herzen behütet, steigen sie nun schon seit einigen Jahren aus den Tiefen unserer eigenen Geschichte herauf – und lassen uns in ihrer Gegenwart erschüttert feststellen, dass wir Demut, Ehrfurcht und brennende Herzen zwar über Jahrtausende aus unserer sichtbaren Welt verbannt haben, dass diese archaischen Tugenden aber die wahre Macht der Unsterblichkeit unserer Seelen besitzen. Und die Schlüssel zu unserem wahren Selbst sind.
Viele Namen kannten die Ahnen für die Mittler zwischen den Welten, die da so und ähnlich lauteten: Schattentänzer, Seelenschmiede, Geisterseher. Sie und andere wesentliche Charaktere der menschlichen Ur-Sippe lösen sich mehr und mehr aus den Verstrickungen der heutigen Zeit heraus und finden selbstständig in diesen und in den nächsten Jahren zu ihrer Bestimmung. Sie klingen bereits wie Windspiele durch den Äther, noch an vielen Orten übertönt vom Lärm der modernen Welt.
Mit der Fähigkeit, unterschiedliche Wesensformen wahrzunehmen, hauchen die schamanischen Erben den Wesen des „kleinen Volkes“ ihren Atem ein, um diese über ein vielfaches über sich hinauswachsen zu lassen. Der Segen des Menschen ist schon immer an den Segen der Natur gebunden. Die ausdrückliche Ermächtigung durch den Menschen lässt das „kleine Volk“ ihre „Klang“-Farbe und Form verändern, sie erfahren Beförderung und Einwilligung, die Einladung, im Sinne der Natur und für Schöpfung und Erhalt zu handeln.
Zum kleinen Volk gehören natürlich die Wesen der Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft. Das fünfte Element, der universelle Geist, das Alles-Verbindende, betrifft alle Dolmetscher der Dimensionen, die Diplomaten, die Reisenden, die Sehenden, Hörenden und Fühlenden. Der Geist ist es, der Ideen und ihre Werdung in den jeweiligen Welten schafft und zu ihrer Vollendung führt.
Und hier schließt sich der Kreis zum schamanischen Weltbild unserer Ahnen, die bei ihrer Suche nach einer neuen Heimat ihre Götter und Kulte mit in die unwirtlichen Gegenden unserer zum Teil großen, dunklen Wald- und Sumpfgebiete mitbrachten. Bemerkenswert sind trotz der vielen Clans und Sippen, die sich einst auf den Weg machten, ihre religiösen und kulturellen Gemeinsamkeiten. Unsere Ahnen lebten in Familienverbänden und hatten fast einen einheitlichen Götterglauben mit nahezu gleichen Ritualen, Kultplätzen und Grabanlagen. Der mythologische Kosmos unserer Ahnen scheint daher einer einheitlichen, gemeinsamen Quelle zu entspringen. Vielleicht einer spirituell-religiösen Ur-Form, die schon zur Zeit der menschlichen Einheitssprache existierte und die mit dem Aufbruch der Völker in alle Winde zerstreut, aber dennoch erhalten wurde. Etwas, das Sprache und sonstige Merkmale der Völkerwanderungen übrigens in dem Maße nicht vermochten.
Indem wir uns wieder dem geistigen Kosmos unserer Ahnen zuwenden, treten wir in Kontakt mit den uns umgebenden Welten. Wir ehren ihre und unsere eigene Geschichte, unsere Wurzeln und die Menschen, die über Jahrtausende unseren Weg durch Liebe und Leid, Fülle und Kargheit bereitet haben.
Die nächsten Monate verbrachte ich damit, mein Augemerk auf eine übergreifende Verbindung zwischen den verschiedenen Dimensionen zu richten. Für jedes Anliegen in der irdischen Welt, gibt es eine Entsprechung und eine Zuständigkeit in der geistigen Welt. Die Vereinigung und die Wechselwirkung zwischen der sichtbaren und den unsichtbaren Welten stellt ein großes Potential dar, das aus unserem Gesichtsfeld verschwand. Wir wissen zwar, dass auch unsichtbare Einflüsse unsere sichtbare Welt ständig durchwirken, getrauen uns aber häufig nicht, diese ganz bewusst und nachhaltig in unser Schicksal mit einzubeziehen. Über das animistische Weltbild unserer Vorfahren zu einem praktikablen Modell der heutigen Zeit:
Die Ahnen sind wieder einmal in der Gegenwart angekommen.
Anthera, im Juli 2009
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